Kölns schönster Garten an der Flora
Von unserer Redaktion
Grauer Beton, abgestandene Heizungsluft, vier Wände: Irgendwann reicht es. Wer jetzt die erste echte Sonne sucht, findet sie hier – ohne Eintrittskarte.
Der Winter in Nordrhein-Westfalen ist kein Postkartenidyll, sondern meistens eine zähe Prüfung aus Nieselregen und Asphaltgrau. Doch irgendwann kippt die Stimmung. Es ist dieser eine Moment, in dem die Luft plötzlich anders riecht und die Sonne genug Kraft entwickelt, um die Winterjacke für ein paar Stunden überflüssig zu machen. Fünf besonders schöne Frühlingsziele in NRW, die nichts kosten: Es reicht, dorthin zu fahren, wo der Platz groß genug ist, um den Kopf freizubekommen.
Logenplatz am Strom in Emmerich

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Am Niederrhein zeigt der Rhein seine ganze Breite. Die zwei Kilometer lange Uferpromenade in Emmerich ist eine massive Bastion aus Stein, die hier, kurz vor der Grenze zu den Niederlanden, den Blick auf den Horizont freigibt. Wenn die Sonne flach über das Wasser kommt, wird die Kaimauer zum begehrtesten Platz der Region. Man sitzt dort, schaut den schweren Kähnen beim Stampfen gegen die Strömung zu und spürt das Licht im Gesicht. Es ist ein Ort für Puristen: Wasser, Stahl und die Weite des Stroms.
Kahlschlag mit Aussicht: Kermeter in der Eifel

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Im Nationalpark Eifel herrscht Anfang März absolute Transparenz. Wo im Sommer das Laub der Buchen alles verschluckt, knallt das Licht jetzt ungefiltert bis auf den Waldboden. Der „Wilde Weg“ im Kermeter führt auf Holzstegen durch ein Revier, das den Frost gerade erst hinter sich gelassen hat. Wer am Aussichtspunkt Hirschley steht, blickt auf den Rursee, der in der Sonne wie eine flüssige Stahlplatte glänzt. Eine spröde, ehrliche Kulisse ohne jeden Schnörkel.
Ganz viel Licht am Eichhörnchenweg
An der Grenze zwischen Sauerland und Siegerland zählt im März nur der harte Kontrast zwischen Schatten und Licht. Der Eichhörnchenweg führt durch einen Nutzwald, der genau das liefert, was in der Stadt fehlt: Ruhe und kalte, klare Luft. Die Sonne zeichnet lange Schatten zwischen die nackten Stämme, es riecht nach feuchter Erde und Humus. Es ist ein Ort für den schnellen, unkomplizierten Ausbruch, um den Kopf zwischen den kahlen Bäumen freizubekommen, bevor das Dickicht im Mai wieder alles schließt.
Die Flucht in die Aue: Monheimer Rheinbogen

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Zwischen Düsseldorf und Köln liegt eine flache Welt aus Gras und Kies. Nach den Winterhochwassern ziehen sich die Fluten jetzt vom Monheimer Rheinbogen zurück und geben die Auenlandschaft wieder frei. Der Boden wird täglich fester, die Wege zwischen den Weiden am Rheinufer begehbarer. Hier gibt es keine Kassenhäuschen und keine Absperrungen. Man parkt das Auto, läuft los und lässt den Lärm der nahen Autobahnen hinter sich, bis nur noch das Knirschen der Kiesel bleibt.
Urbane Enklave: Die Kölner Flora

Wer die Millionenstadt nicht verlassen will, flüchtet in die Flora. Die Anlage in Riehl ist seit 1864 das botanische Gegengewicht zum Kölner Verkehrschaos. Während draußen der Berufsverkehr auf der Amsterdamer Straße feststeckt, explodieren hier tausende Krokusse auf den Rasenflächen unter den Palmen. Es ist ein Ort der strengen Symmetrie und der Ruhe, der bis Sonnenuntergang jedem offensteht, der eine Pause vom Asphaltgrau der Metropole braucht.