Wolfgang Niedecken in der Kölnarena Fotos: Hong Kayser
Von unserer Redaktion
Er ist nicht nur eine Stimme, er ist ein Kapitel Kölner Kulturgeschichte.
Wolfgang Niedecken, Jahrgang 1951, hat mit seiner Band BAP nicht einfach ein paar Lieder auf Kölsch gesungen – er hat einer ganzen Region den Soundtrack zu ihrem Lebensgefühl gegeben. Und sich selbst dabei nie auf eine Rolle beschränkt: Musiker, Maler, Aktivist, Familienmensch – Niedecken ist all das, ohne dabei je beliebig zu wirken.
Südstadt-Jung
Geboren am Rande der Kölner Südstadt, wächst er zwischen Lebensmittelhandel, katholischer Strenge und den Beatles auf. Früh beginnt er zu malen, bald auch zu musizieren. In den Siebzigern studiert er Freie Malerei, spielt in Schülerbands – und gründet 1976 eine Combo, die bald unter dem Namen BAP deutschlandweit für Furore sorgt. Dass er Kölsch singt, ist damals ein absolutes Novum. Die Sprache war der Rest-Republik bisher nur in abgeschwächter Version als Millowitsch-Kölsch bekannt. Sprache als Heimat, aber nicht als Grenze.

Emotional ohne Kitsch
Sein Ton ist rau, poetisch, direkt – musikalisch geprägt von Bob Dylan, textlich oft mit leiser Melancholie, aber gänzlich ohne Kitsch. Songs wie Verdamp lang her oder Kristallnaach werden zu Hymnen, nicht nur am Rhein. Gleichzeitig malt Niedecken weiter, gestaltet viele BAP-Plattencover selbst und bleibt der bildenden Kunst verbunden – mit Ausstellungen im In- und Ausland.
Ausgzeichnet für sein Lebenswerk
Privat erlebt er Brüche und Neuanfänge. Zwei Ehen, vier Kinder, ein Schlaganfall 2011, den er öffentlich thematisiert und verarbeitet. Auch als Autor tritt er auf, schreibt Autobiografisches, reflektiert über Krankheit, Religion, Kindheit – und die Missbrauchserfahrungen in seinem katholischen Internat. Er tritt aus der Kirche aus, bleibt aber spirituell. Ein Agnostiker mit Gottvertrauen, wie er selbst sagt.
Nie stehen geblieben
Und er mischt sich ein. Ob gegen Rassismus (Arsch huh, Zäng ussenander), für Afrika oder als Unterstützer sozialer Projekte: Niedecken ist keiner, der sich bequem hinter Kunst versteckt. Er steht auf der Bühne – und in der Verantwortung. Heute, über 70, wirkt er nicht altersmilde, sondern wach, reflektiert, klar. Vielleicht ist das sein größtes Talent: sich selbst treu zu bleiben, ohne stehenzubleiben. Ein Künstler, der viel erlebt hat – und dem man glaubt, wenn er singt, dass „et joot jeiht“. Irgendwie. Irgendwann. Auf Kölsch, versteht sich.
Nächstes Jahr feiert seine Band ihren 50. Geburtstag im RheinEnergieStadion.