Von unserer Redaktion
Köln – Es riecht. Es ist laut. Und mehr als eine*r hat was zu meckern. Der Pavianfelsen im Kölner Zoo bietet das volle Programm: Neid, Wolllust, Eifersucht. Richtig wild wird es zur Fütterung. Ein Theater wie am All-You-Can-Eat-Büffet. Ziemlich menschlich, die Paviane…
Als hätte es ein Signal gegeben, marschieren die Pavianbosse los. Immer mehr aus dem Rudel stoßen dazu. Im Schritttempo umkreist die Truppe ihren Felsen, Runde um Runde. Futterzeit ist Kreis-Lauf-Zeit. Vollbremsung, als der Mann des Tages kommt.
Der Tierpfleger hat den ersten Gang im Arm: Endiviensalat. Für den machen die Affen richtig Theater. Es wird gebissen, es wird geschubst – es wird in drei Oktaven gekreischt. Viele Zähne und Drohgebärden. Ein besonders hungriges Weibchen haut einer Konkurrentin die Zähne in den Kopf. Die etwa 50 Damen und Herren schenken sich nix. Gar nix.
Affentheater!

Fotos: S. Kayser




Eine Weltsensation ohne Gitter
Der Pavianfelsen ist innen hohl. Durch versteckte Eingänge können sich die Primaten in Käfigboxen zurückziehen. Hier werden sie auch eingesperrt, wenn ein Unwetter droht oder der Affenfelsen gereinigt wird.
Der Pavianfelsen wurde 1914 eingeweiht. Damals eine Sensation, da die Tiere nicht hinter Gittern waren. Nur ein Wassergraben trennt die Besucher:innen bis heute von den Affen. Eine Erfindung von Carl Hagenbeck aus Hamburg.
Weil Paviane bekanntermaßen aber nicht blöd sind, haben einige Tiere ihre Wasser-Abneigung mittlerweile überwunden. Ein versteckter Elektrodraht hinterm Außenzaun verhindert allerdings mehr Kontaktaufnahme.
So menschlich sich die Paviane benehmen, so gefährlich sind sie. Sie werden derselben Risiko-Kategorie zugeordnet wie Löwen und Tiger. Solange die Tiere draußen sind, dürfen keine Pfleger*innen durch den Tunnel rein.
Pavian im Fangfieber
Rote Hintern und Sex
Übrigens: Die Pavian-Hintern sind nicht vom Rumsitzen rot. Umso röter der Popo beim Weibchen, desto fruchtbarer ist es. Und bei Männern ist der Allerwerteste ein Zeichen von Kraft. Auf jeden Fall ist der Hintern eindrucksvoller als der dünne, signalrosa Penis.
Die Pavian-Männchen, die oben auf Felsen und Klettergerüst hocken, sind die Singles auf dem Affenfelsen. Es herrscht Männerüberschuss. Die Liierten halten sich einen Harem von bis zu fünf Damen.


Zwischenbemerkung am Rande: Welche Eltern die Aufklärungsgespräche scheuen – der Pavianfelsen hilft weiter.
Beim Pavian-Beischlaf geht es in der Regel gar nicht um Fortpflanzung: Entweder ist es eine Art Versöhnungssex oder eine Dominanz-Geste. Trotzdem ist die Kölner Zucht nach eigenen Angaben eine Erfolgsgeschichte: Seit Generationen kommen gesunde, kölsche Paviane auf die Welt. Und gerammelt wird offensichtlich, als gäbe es keine Zuschauer.
Letzte Weisheit zum Schluss: Bananen essen die Paviane tatsächlich sehr gerne, bekommen sie aber nur selten, weil sie dick machen. Dafür gibt’s mehr als 150 Kilo Gemüse täglich. Endiviensalat und so…
Fütterung der Paviane
– täglich um 15 Uhr
– mehr Infos: Kölner Zoo
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Quelle: eigene Recherche, Zeitungsarchiv, Kölner Zoo