Von unserer Redaktion
Der Kölner Dom ist Weltkulturerbe, Bau-Ikone, Besuchermagnet – und ein Gebäude, das seit Jahrhunderten nicht „fertig“ ist.
Das klingt erst einmal wie eine Pointe, ist aber quasi die Bauregel: Seit der ersten Grundsteinlegung wurde am Dom gebaut, ergänzt, repariert, ersetzt. Und weil Wind, Wetter und Stein am Rhein keine Schonfrist kennen, gehört das Gerüst hier zum Normalzustand – der Dom ist praktisch nie ohne Baustelle zu sehen. Acht spannende Fakten über die bekannteste Kirche der Republik.
27 Euro: der Dom in der Buchhaltung
In der Bilanz des Erzbistums taucht der Kölner Dom mit einem symbolischen Wert von 27 Euro auf. Der Hintergrund ist trocken und komisch zugleich: Als kirchliches Eigentum ist der Dom nicht „einfach verkäuflich“ und wird bilanziell deshalb nicht wie eine Immobilie zum Marktwert geführt, sondern mit einem Erinnerungsbetrag.

Ein Auto im Kirchenfenster
Im sogenannten „Kinderfenster“ (Entwürfe Bernhard Kloss, 1960–1965) fährt tatsächlich ein Auto durchs Bildprogramm: In einer Szene rettet ein Schutzengel ein Kind vor einem heranfahrenden Wagen. Modernes Motiv, mittelalterlicher Rahmen – und genau deshalb bleibt es hängen, wenn man es einmal entdeckt hat.
Fußball am Dom: der Geißbock aus Stein
Der Dom kann auch Popkultur. Nach der ersten Deutschen Meisterschaft des 1. FC Köln 1962 wurden mehrere steinerne Geißböcke am Dom verewigt – nicht als Merch, sondern als echte Steinfiguren am Bau. Deutschlandfunk beschreibt diese Fußball-Spurensuche als Beispiel dafür, wie unterschiedliche Epochen am Dom nebeneinander stehen.
Der Schraubenschlüssel, der nicht weggeräumt wurde
Hoch oben am Vierungsturm gibt es einen überdimensionalen Schraubenschlüssel – kein Gag, sondern ein Relikt aus der Bau- und Montagewelt des 19. Jahrhunderts. Mit dem Werkzeug wurden die gewaltigen Verschraubungen der Eisenkonstruktion angezogen – und am Ende blieb er als Denkmal der Baustelle dort.

Ein Dach aus Eisen
Der Dachstuhl des Kölner Doms besteht nicht aus Holz, sondern aus Eisen – im 19. Jahrhundert ein technisches Statement und eine Meisterleistung, noch vor dem Eiffelturm! Zeitweise war der Dom-Dachstuhl die größte Stahlkonstruktion seiner Art.
Der „Stein des Schreckens“: knapp am Dreikönigenschrein vorbei
1434 (so wird es in der Literatur zum Dreikönigenschrein dokumentiert) fiel ein großes Stück einer Fiale durch Dach und Gewölbe und landete unmittelbar vor der damaligen Gitterkapelle mit dem Dreikönigenschrein – doch der Schrein blieb unbeschadet, wie durch ein Wunder trotz historischem Sturmschaden.

Dämonen unter den Sitzen: die Miserikordien im Chorgestühl
Wer im Dom nach dem Unheimlichen sucht, muss nicht erst aufs Dach steigen. Es reicht, sich nach unten zu orientieren: Unter den Chorstühlen verbergen sich geschnitzte Stützen, die Miserikordien. Dort erscheinen Grotesken, verzerrte Gesichter und Fabelwesen – darunter zottelige Dämonen mit Hörnern oder Ziegenbeinen. Verwandte Motive finden sich auch an den Portalen, etwa in Darstellungen von Versuchungsszenen.
Und weil Handwerk Humor hat: sehr menschliche Wasserspeier
Wasserspeier am Dom sind nicht nur mittelalterliche Monsterkulisse. Zwischen Fratzen und Fantasiewesen finden sich auch auffällig „menschliche“ Motive – bis hin zu der Überlieferung, ein Steinmetz habe in einem Wasserspeier seine Frau verewigt. Das passt zum Grundprinzip des Doms: Selbst ein Weltkulturerbe ist am Ende auch Werkstatt.