Screenshot: WDR/Youtube
Von unserer Redaktion
Der Name war Programm – und damals ein Skandal. Die Bläck Fööss traten bei ihrer Gründung 1970 ohne Schuhe auf die Bühne. Mit nackten Füßen.
Barfuß auf die Bühne, mit Kölsch auf den Lippen, aber musikalisch alles andere als provinziell. Heute, 55 Jahre später, sind die Bläck Fööss eine Institution. Keine Band hat den Sound dieser Stadt tiefer geprägt. Keine andere bringt Generationen von Kölnern zum Mitsingen, Mitlachen, Mitheulen.
„Katrin“ gesungen von Tommy Engel
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Mehr InformationenVom Beat zur Botschaft
Ursprünglich kommen viele Gründungsmitglieder aus der Beat- und Rockszene. Doch auf den Kölner Karnevalsbühnen wird bald klar: Es gibt ein Verlangen nach Songs, die die Sprache der Leute sprechen. Im Wortsinn. Die Fööss singen op Kölsch, aber ohne Tätä und Tschingderassabum. Ihre Lieder sind musikalisch oft mutiger als das Umfeld: Reggae, Funk, Jazz, Chanson, Singer-Songwriter. Das alles steckt drin in einem Repertoire, das sich nicht auf Karneval beschränken lässt.
Hits, die Heimat wurden
„Drink doch eine met”, „En unserem Veedel”, „Mer losse d’r Dom en Kölle“ – das sind keine Lieder mehr, das sind geflügelte Worte. Wer sie hört, denkt an Zigarettenrauch in der Stammkneipe, an Omas gute Stube, an große Gefühle zwischen Neumarkt und Niehl. Und doch: Die Fööss waren nie nur Nostalgie. Stücke wie „Unsere Stammbaum” oder “Edelweißpiraten” zeigen Haltung. Gegen Ausgrenzung, gegen Vergessen. Musik mit Meinung und Melodie.
55 Jahre Wandel – und weiter geht’s
Dass eine Band über fünf Jahrzehnte besteht, ist außergewöhnlich. Dass sie dabei über zwanzig Mitglieder kommen und trotzdem ihren Charakter bewahren, ein Kunststück. Tommy Engel sang bis 1994 in erster Reihe für die Fööss – es folgte eine Trennung „aus künstlerischen Gründen”, die Köln ins Herz traf. Tommy Engel wollte die Zahl der Auftritte im Karneval reduzieren, die Mehrheit der Band nicht.
„Katrin“ gesungen von Mirko Bäumer
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Mehr InformationenVon 1995 bis 2016 stand der früher Sport-Dozent „Kafi” Biermann als Frontmann für die Fööss auf der Bühne, danach folgte Mirko Bäumer, der bis heute aktiv ist. Die Frontleute wechselten, die Wurzel blieb. Musikalisch haben die Bläck Fööss nie stillgestanden. 2022 stiegen mit “Erry” Stoklosa und “Bömmel” Lückerath die letzten Gründungsmitglieder aus. Und trotzdem: Die Band macht weiter. Mit neuen Gesichtern, aber alter Seele.
Ein Stadtklang, der bleibt
55 Jahre Bläck Fööss heißt auch: 55 Jahre Köln zum Mitsingen. Die Band hat mehr als 400 Songs aufgenommen, unzählige Konzerte gespielt, Stadien gefüllt und Hinterhöfe verzaubert. Sie ist Teil des kollektiven Gedächtnisses dieser Stadt geworden, wie der Dom, der FC oder die KVB. Und wer heute einen ihrer Songs hört, spürt sofort: Da ist mehr als Musik. Da ist ein Lebensgefühl, das sich nicht übersetzen lässt. Nur mitsingen. Laut. Und barfuß im Herzen.