Henning Krautmacher beim Jubiläums-Gastspiel mit Cat Ballou Foto: Hong Kayser
Von unserer Redaktion
Henning Krautmacher ohne Mikrofon, ohne Schnurrbart, ohne Höhner – was für viele Kölner:innen unvorstellbar schien, ist seit Ende 2022 Realität. Der langjährige Frontmann der Kultband verabschiedete sich nach fast vier Jahrzehnten von der Bühne.
Sein Rückzug aus dem Rampenlicht war kein Karriereknick, sondern eine bewusste Entscheidung aus Liebe: Krautmacher zog sich zurück, um sich um seine schwer erkrankte Ehefrau zu kümmern. Der Schnurrbart – jahrzehntelang Markenzeichen – fiel gleich mit. Stattdessen trägt er heute einen Fünftagebart und ein neues Kapitel im Leben. Seine Frau wurde viel schneller gesund als gedacht, der Ruhestand blieb.

Wohlwollender Blick von außen
Ganz verschwunden ist er aber nicht. Als kölsches Urgestein zeigt sich Krautmacher noch immer bei ausgewählten Veranstaltungen – etwa als Gast beim „Höhner Rock and Roll Circus“ oder bei lokalen Festen in Leverkusen, wo seine Wurzeln liegen. Auch im Fernsehen ist er gelegentlich zu sehen, zuletzt bei Formaten wie „Wer weiß denn sowas?“. Im Mai 2025 steht er sogar wieder auf der Bühne – nicht als Comeback, sondern als kölscher Ehrenmann im Musical „Himmel und Kölle“. Seine Liebe zum Karneval lebt weiter, auch wenn er sie nun lieber von außen beobachtet – mit einem kritischen, aber wohlwollenden Blick.
Zeit für die schönen Dinge
Krautmacher nutzt die Zeit für Dinge, die früher zu kurz kamen. Gemeinsame Reisen mit seiner Frau – der Jakobsweg ist noch nicht ganz abgehakt – und künstlerische Projekte abseits der Scheinwerfer. Er bleibt sichtbar, aber nicht aufdringlich, präsent, aber nicht dominant. Ein Leben nach dem Applaus – das gelingt nicht vielen.
Die Vita des Henning Krautmacher
Henning Walter Krautmacher wird 1957 im Leverkusener Stadtteil Schlebusch geboren – ein Kind des Rheinlands, mit viel Herz und wenig Allüren. Bevor er die großen Bühnen betritt, probiert er sich durchs Leben: Ausbildung zum Heilpädagogen, Arbeit als Schauwerbegestalter, ein Ausflug in den Journalismus. Doch das Kölsche, das Musikalische, das Bühnenleben – das ruft früh und laut.
In den 1980er Jahren tritt Krautmacher mit Bands wie Locker vom Hocker und Uss d’r Lameng auf. Die Songs sind lokal gefärbt, voller Witz, und treffen einen Nerv – etwa mit dem Fußball-Fanlied Mir sin die Fans us demm Bayer-Stadion. 1982 gewinnt die Band Udo Werners Talentprobe am Tanzbrunnen – ein kleiner Sieg mit großer Wirkung.
Der Durchbruch mit den Höhnern
Der eigentliche Durchbruch folgt 1986, als er bei den Höhnern den damaligen Frontmann Peter Horn ablöst. Mit Krautmacher an der Spitze entwickelt sich die Band zur Institution – zwischen Karneval, kölscher Lebensart und bundesweitem Erfolg. Songs wie Viva Colonia werden zu Hymnen. Krautmacher, mit gezwirbeltem Schnurrbart und jovialer Ausstrahlung, wird zum Gesicht der Band – und für viele zur Stimme Kölns.
Schauspieler-Talent
Auch abseits der Musik zeigt er Präsenz: Als Kölner Taxifahrer im Film Vollidiot, als er selbst in Pastewka, als Gast in der ARD-Serie Rentnercops. Er moderiert, liest, tritt auf – immer mit dem rheinischen Schalk im Nacken. Doch Krautmacher ist nicht nur Bühnenprofi. Er engagiert sich seit Jahren für die DKMS und unterstützt die Leseförderung von Kindern. Dafür erhält er 2012 den Kulturpreis des Rhein-Erft-Kreises und 2019 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland – nicht für Ruhm, sondern für Haltung.
Privat lebt er mit seiner zweiten Ehefrau in Pulheim-Stommeln. Trotz Ruhestand bleibt er einer, der sich einmischt. Ein kölscher Jung eben, der aus Leverkusen kommt.