Fast eine Milliarde Wirtschaftskraft! Der Karneval trotzt der Flaute

Die „Lachende Kölnarena“

Von HONG KAYSER (Text + Fotos)

Während die deutsche Wirtschaft nur noch herumheult, werden im Kölner Karneval die Ärmel hochgerollt. In den vergangenen sechs Jahren ist die Wirtschaftskraft um beeindruckende 42 (!!!) Prozent gestiegen – auf fast eine Miliarde Euro.

Der Karneval erwirtschaftet inzwischen so viel wie manche mittelgroße Industriebranche. Laut einer neuen Studie von Boston Consulting Group und Rheinischer Hochschule Köln ist die Wirtschaftskraft der fünften Jahreszeit auf 850 Millionen Euro gestiegen – ein Zuwachs von 250 Millionen seit 2019.

Zwei Männer präsentieren Informationen über den Kölner Karneval und dessen wirtschaftliche Bedeutung, während im Hintergrund eine Menschenmenge auf einer Straße zu sehen ist.
Festkomitee-Boss Christoph Kuckelkorn mit PR-Chef Michael Kramp

Ein Fest mit Wachstumskurve

Rund 470.000 Übernachtungen zählten die Forscher allein in der vergangenen Session, dazu über zwei Millionen Besucherinnen und Besucher bei Umzügen, eine Million bei Sitzungen und Bällen. Das größte Plus verzeichnet der Bereich „Tourismus und Veranstaltungen“ mit einem Wachstum von rund 70 Prozent. Auch Gastronomie, Einzelhandel und Mobilität legten deutlich zu. Insgesamt sichern die närrischen Tage 6.500 Arbeitsplätze in der Region.

Dr. Dennis Utzerath, Prof. Dr. Silke Schönert und Christoph Kuckelkorn (v.l.n.r.) werden. Foto: RH Köln/Carsten Jezewski)
Dr. Dennis Utzerath, Prof. Dr. Silke Schönert (beide von der RH Köln) und Christoph Kuckelkorn
Foto: RH Köln/Carsten Jezewski

Volle Säle, höhere Preise

Trotz Inflation, gestiegener Sicherheitskosten und Personalmangel: Der Karneval wächst. Ein Kölsch kostet mittlerweile im Schnitt 2,30 Euro, Hotels sind früh ausgebucht, viele Veranstaltungen schon Wochen vorher ausverkauft. „Die Wirtschaftskraft des Karnevals hat sich stark weiterentwickelt und ist ein Aktivposten für die Stadt“, sagt Dennis Utzerath von der Boston Consulting Group. „Fast alle Formate sind besser besucht denn je – aber auch die Kosten sind kräftig gestiegen.“

Zwischen Erfolg und Erschöpfung

Was auf dem Papier nach Boom aussieht, hat seine Schattenseiten. Zehntausende Ehrenamtliche stemmen jedes Jahr die logistische und organisatorische Arbeit hinter Zügen, Sitzungen und Straßenkarneval. Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees, mahnt: „Die Masse des Karnevals wird nach wie vor von Ehrenamtlichen getragen, während die Kosten für Personal, Security und Gebühren weiter steigen. Wir brauchen neue Wege, um das Brauchtum langfristig zu sichern.“

Wirtschaftsfaktor mit Emotion

Der Kölner Karneval bleibt damit eines der seltenen Phänomene, das wirtschaftliche und emotionale Bedeutung verbindet. Während die deutsche Wirtschaft stagniert, feiert Köln Wachstum – und zeigt, dass ein Fest mehr bewegen kann als viele Förderprogramme.

Deine Meinung?!

Entdecke mehr von YES WE KÖLN

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen