Fotos: Festkomitee Kölner Karneval/Belibasakis
Von HONG KAYSER
Köln – Die Wirtschaftskraft des Kölner Karnevals liegt laut einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group bei 800 Millionen Euro. Obwohl eine ganze Stadt verdient, hat der gemeinnützige Karneval nichts davon: In diesem Jahr gibt es deshalb erstmals nur 19, statt der üblichen 25 Persiflagewagen – aus Sparzwang.
Traditionell stellt das Festkomitee Kölner Karneval kurz vor Weiberfastnacht die ersten Motive der Persiflagewagen der Presse und den Kölner Karnevalspräsidenten vor. Das Richtfest des Rosenmontagszugs war auch Premiere für den neuen Zochleiter Marc Michelske, hauptberuflich passenderweise Fachanwalt für Verkehrsrecht und 2019 selbst auch Karnevalsprinz. Michelske hatte vergangenes Jahr Holger Kirsch als Zochleiter abgelöst. Die ersten 17 der 19 Wagen stellte jetzt der Öffentlichkeit vor. Die letzten zwei Wagen sind Geheimwagen, die aktuell noch im Bau sind. Ein Thema soll das Ergebnis der Bundestagswahl vom Wochenende sein.

Neue Studie über Wirtschaftsfaktor
Während die Persiflagewagen nach außen für Furore sorgen, steht der Rosenmontagszug finanziell unter Druck. Statt der gewohnten 25 Wagen rollen dieses Jahr nur 19 durch die Stadt. Grund sind die hohen Kosten von rund 3,5 Millionen Euro pro Jahr – eine Summe, die das gemeinnützige Festkomitee kaum noch stemmen kann. „Es ist absurd, dass der Karneval, der so viel zur Wirtschaftskraft der Stadt beiträgt, kaum Unterstützung erhält”, kritisiert Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn und fordert mehr Kulturförderung von der Stadt Köln.

Eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group bestätigt die enorme wirtschaftliche Bedeutung des Karnevals: Seit 2019 ist die Wirtschaftskraft um 42 Prozent gestiegen – von 600 Millionen auf 850 Millionen Euro im Jahr 2025. Neben steigenden Kosten trägt auch die wachsende Nachfrage im Veranstaltungs- und Hotelgewerbe zu diesem Boom bei. Dennis Utzerath von BCG: „Der Kölner Karneval ist eine erstklassige touristische Attraktion mit wachsendem Einfluss. Die Herausforderungen durch steigende Kosten sind jedoch nicht zu unterschätzen.”
Die ganze Welt im Visier

Um den Zoch auch in Zukunft zu sichern, geht das Festkomitee neue Wege. Eine „Rosenmontagszug-Spange” für zehn Euro soll helfen, die Finanzierung zu stärken. Die Idee kommt gut an: Schon am ersten Tag nach der Vorstellung der Wagen wurden hunderte Spangen bestellt. „Das zeigt, wie wichtig der Zoch den Kölschen ist”, freut sich Michelske. „Wir sind auf jede Unterstützung angewiesen, um den Karneval auch weiterhin für alle Jecken kostenlos erlebbar zu machen.”
Von der zunehmenden Verwahrlosung der Domstadt über den Bildungsnotstand bis hin zur geopolitischen Lage in den USA und der Ukraine – die satirischen Darstellungen an Rosenmontag sollen zum Nachdenken anregen. „Wir greifen Themen auf, die die Menschen in Köln, Deutschland und weltweit beschäftigen“, erklärt Michelske. Trotz ernster Inhalte zieht sich das Sessionsmotto wie ein roter Faden durch den Zug: „Liebe ist das verbindende Element in allen Wagen.“
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