Der Kölner Karneval hat das erste queere Dreigestirn

Kölns designiertes Dreigestirn: Hendrik Ermen, René Klöver und Michael Samm

Von STEPHANIE KAYSER

Köln – In diesem Jahr wird im Kölner Karneval Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal tritt ein Dreigestirn an, dessen drei Mitglieder bekennend homosexuell sind. Was vor 20 Jahren undenkbar gewesen wäre, ist heute im traditionellen Kölner Karneval selbstverständlich.

Am 10. Januar werden René Klöver (59, „Prinz“), Hendrik Ermen (45, „Jungfrau Marlis“) und Bauer Michael Samm (62, „Bauer“) feierlich in Kölns guter Stube, dem Gürzenich proklamiert – mit dabei OB Henriette Reker, Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn 1.300 handverlesene Gäste aus der kölschen Society, inklusive Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Showbiz. Die Karten für die Proklamation des Kölner Dreigestirns gibt es nicht zu kaufen, sondern sind quasi eine Auszeichnung, dass man zum engen Kreis von Köln gehört.

prinzenproklamation
Zur Proklamation strahlt das Gürzenich auf Hochglanz

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Bekannt für grandiose Tanz-Choreographien

Das Dreigestirn kommt in diesem Jahr von der StattGarde Colonia Ahoj. Erst 2003 als LGBTQ-freundlicher Verein gegründet, ist sie eine noch relativ junge Karnevalsgesellschaft im Kölner Karneval. Aber kaum auf der Bühne, waren ihre spektakulären Tanz-Choreografien in aller Munde. Was neu war: Auf der Bühne tanzten ausschließlich junge Herren – so grandios, dass selbst die konservativsten Karnevalisten begeistert klatschten. Es ging nicht um sexuelle Identität, sondern ums Fastelovend fiere, wie man in Kölle sagt, ums Karneval feiern.

Kölns neues Dreigestirn
Kölns designiertes Dreigestirn: Jungfrau Marlis, Prinz René und Bauer Michael
Foto: Festkomitee

Seitdem ist viel passiert: Längst wurde die StattGarde Colonia Ahoj hochoffiziell als Ordentliche Gesellschaft im Festkomitee Kölner Karneval von 1823 e.V. aufgenommen und bekommt jetzt den größtmöglichen Ritterschlag aller Zeiten für einen Kölner Verein: Sie darf das Dreigestirn stellen. Die drei Personen, auf die wochenlang eine ganze Stadt schaut. Eine große Ehre, aber auch ein großer Druck.  Der zukünftige Prinz René Klöver sagt, auf Köln bezogen habe man sich gefragt: „Ob das überhaupt ein Thema für die Presse ist, dass die StattGarde das Dreigestirn stellt. Wenn man aber über den Tellerrand blickt – und auf die Entwicklungen in der letzten Zeit – schadet es nicht, Signale zu setzen.“

Weltpremiere zum Hofburg-Einzug

Der Einzug in die Hofburg: das desginierte Dreigestirn der StattGarde Colonia Ahoj
Der Einzug in die Hofburg: das desginierte Dreigestirn der StattGarde Colonia Ahoj

Die ersten Auftritte – noch ohne Ornat – hat das Dreigestirn schon hinter sich. Der Einzug in ihre sogenannte „Hofburg“, das Hotel, in dem sie in der Session wohnen, lässt für die Session Gutes erahnen. Als Weltpremiere fuhren die Drei am Dienstag standesgemäß auf dem mit dem KD-Schiff vor. Beim traditionellen Anzapfen des Pittermännchen später in der Hofburg schaffte es Kölns künftiger René I. übrigens als erster Prinz seit Jahren, nicht einen Tropfen zu verschwenden. Amen und Alaaf gab es für die StattGardisten einen Tag später beim traditionellen Karnevalsgottesdienst im Kölner Dom. So manch einer behauptete, dass die Kathedrale selbst Heiligabend nicht so voll gewesen sei.

Zum ersten Mal im traditionellen Ornat sieht die Welt das Dreigestirn am Freitag bei seiner feierlichen Proklamation. Der WDR zeigt einen Zusammenschnitt der Veranstaltung am Sonntag, 12. Januar, ab 20.15 Uhr. Das Motto dieser Session lautet: „FasteLOVEnd – Wenn Dräum widder blöhe“, auf Hochdeutsch soviel wie „Karneval, wenn Träume wieder blühen“.

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