Vanessa ist die Enkelin von Dummse Tünn, der früher als “König der Kölner Unterwelt” galt
Von STEPHANIE KAYSER
Köln – Es geht um einen toten Unterwelt-König, einen angeblichen Heugabel-Angriff und darum, wer überhaupt zum Kölner Milieu gehört. Was sich anhört, wie aus einem makabren Comedy-Streifen ist momentan Stadtgespräch in Köln – auf Social Media genauso wie im echten Leben.
Eine kann darüber gar nicht lachen. Vanessa (22) ist die Enkelin von Dummse Tünn, bürgerlich Anton Dumm. Zu seinen mächtigsten Zeiten gilt der als “König der Kölner Unterwelt”, der von Zuhälterei bis Hehlerei in vielen Sparten kriminell unterwegs ist. Sie kennt ihn nur als ihren Opi. Am 24. Februar, ein Sonntag ist Anton Dumm gestorben. Kurz nach dem Tod beginnt eine Schlammschlacht mit dem eigentlich eingeplanten Bestatter, die bisher ihres gleichen sucht.
“Wenn mein Opa heute noch leben würde, dann würde er so auf den Tisch hauen. Das ist alles so würdelos, was aktuell passiert”, sagt seine Enkelin, die sich am Freitag erstmals auf Facebook zu Wort meldete. Heute sprechen wir direkt mit ihr.
Ein Pony zu Weihnachten
Dass ihr Opa mal ein gefährlicher Mann in Köln war, war Vanessa viele Jahre nicht bewusst. “Als Kind hatte ich ein ganz normales Opa-Verhältnis. Er war für mich immer mein Opi, nie was anderes”, sagt uns Vanessa im Gespräch:

“Die Zeiten, die ich mit ihm hatte, waren immer gut. Wir waren früher oft auf Opas Pferdehof in Rath. Das war ein Traum für ein kleines Mädchen. Zu Weihnachten hat er mir sogar einmal ein Pony geschenkt. Er war aber auch ein sehr eigener Mensch.”
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“Damals galten noch Regeln”
Wie Anton Dumm als König der Kölner Unterwelt herrschte, das weiß Vanessa nur aus Erzählungen. In den 1960er Jahren blüht Köln nach den Kriegsjahren auf, 300.000 Kilometer Straßen werden gebaut, die Severinsbrücke als europaweit aufsehenserregender Bau.
So modern die Optik, so marode der Rest. Vor allem die Polizei. Die Aufklärungsquote liegt bei etwa 30 Prozent. Als Ordnungshüter sind noch viele Alt-Nazis unterwegs, viele schauen weg oder halten die Hand auf. Die Bevölkerung sympathisiert mit dem Milieu.

In diesen Zeiten wird Köln zum “Chicago am Rhein”. Milieugrößen wie Dummse Tünn sind in den Nachkriegsjahren im zerstörten Köln groß geworden. Zeiten, in denen es normal war, dass man sich um sich selbst kümmert, sich “arrangiert”. Das geht in Erwachsenenjahren im großen Stil weiter.
“Das war damals eine andere Zeit. Ich bin stolz darauf, dass mein Opa bei allem irgendwo noch korrekt war, damals galten noch Regeln: Wenn einer auf dem Boden lag, dann machte man nicht weiter. Man klärte die Sachen immer mit den Fäusten, nie mit Waffen. Er war auch nie geizig. Er hätte Freunden sein letztes Hemd gegeben.”
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Ein letztes Mal Polizei
Nach seinem Tod hält Dummse Tünn die Polizei jetzt zum letzten Mal auf Trab. Seine Beerdigung ist zur Ermittlungssache geworden.
Der Bestatter zeigte den Sohn vom Dummse Tünn an, weil der ihn angeblich mit einer Heugabel angegriffen habe (wir berichteten). Der Sohn vom Dummse Tünn zeigte den Bestatter an, weil der mit der Körperlichkeit angefangen haben soll. Außerdem lässt der Sohn aktuell die Rolle des Vormunds prüfen, da zuletzt sehr private Fotos von Dummse Tünn im Pflegebett aufgetaucht waren.
Wie hätte ihr Opa auf die ganzen Vorfälle reagiert? “Der würde einmal richtig auf den Tisch hauen. Wenn er noch leben würde, wäre das alles niemals passiert. Das hätten die sich nicht getraut…”
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die Berichterstattung ist sehr einseitig
Peinlich