Foto: Manfred Esser
Von unserer Redaktion
Wenn man in Köln fragt, was kölsche Musik eigentlich ausmacht, fällt sein Name automatisch: Tommy Engel. Mit seiner einmalig gefühlvollen Stimme und unnachahmlicher Bühnenpräsenz hat er das musikalische Köln mitgeprägt wie kaum ein anderer. Auch mit über 70 ist er kein bisschen leiser.
Die kölsche Sprache und Musik gehörten für Tommy also von klein auf zum Alltag. Geboren wurde Thomas Richard Engel am 28. November 1949 in Köln – als Nesthäkchen von zehn Kindern. Sein Vater Richard, genannt „d’r Rickes“, war selbst musikalisch aktiv: als Mitglied der Mundartgruppe „De Vier Botze“. Mit zehn Jahren bekam Tommy dank seiner Tante, der WDR-Hörspielleiterin Uli Engel-Hark, eine erste Rolle in der Kinderserie „Doof und Doofinchen“. An seiner Seite: Hildegard Krekel – später bekannt als Tochter von Else Kling in der „Lindenstraße“. (Tommy Engel hat die Familientradition seinem Sohn Kai vererbt: Der ist Keyboarder bei Brings.)

Foto: Nicole Fritz
Fast ein Schornsteinfeger
Die Schornsteinfegerlehre, die er 1963 begann, musste er aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Statt Ruß und Rauch gab es fortan Trommelstöcke und Taktgefühl: An der Rheinischen Musikschule in Köln-Ehrenfeld lernte Engel Schlagzeug. Von 1962 bis 1970 spielte er in diversen Kölner Beatbands, darunter The Luckies (1962), Black Birds (1963) und The Beat Stones – 1964 bis 1966 gemeinsam Erry Stoklosa und Peter Schütten, ebenfalls später Bläck-Fööss-Mitglieder. Danach wechselte Engel als Schlagzeuger zu Tony Hendrik Five. Erste Plattenaufnahmen folgten, Dauerschleife auf dem Militärsender BFBS inklusive. Engel zog weiter zu The Hush, ehe er mit u. a. den späteren Föss-Kollegen Erry Stoklosa, Peter Schütten und Hartmut Priess als Stowaways über die Bühnen zog.
Tommy Engel bei The Beat Stones 1966
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Mehr InformationenTommy Engel bei den Tony Hendrik Five
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Mehr InformationenEngel mit The Stowaways 1974
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Mehr InformationenDie Gründung der Fööss
1970 dann der große Wurf: Die Gründung der Bläck Fööss. Am Anfang war es nur die Schnapsidee eines befreundeten Produzenten: „Singt doch mal auf Kölsch.“ Die langhaarigen Bläck Fööss, die ohne Schuhe auf die Bühne kamen, entstaubten den piefigen Nachkriegskarneval in Rekordzeit. Engel war von Anfang an Frontmann – und blieb es bis 1994. In diesen 24 Jahren wurde die Band zur musikalischen Seele Kölns. Engel wollte weniger Karneval, die Band wollte das Pensum halten: der Grund für die Trennung, über die eine ganze Stadt wochenlang diskutierte. Nach dem Ausstieg machte Tommy Engel solo weiter, gründete das Projekt L.S.E. und trat mit eigenem Bühnenprogramm auf.
Und dann wieder Schauspielerei
Zwischen 1998 und 2012 war er in der WDR-Serie „Die Anrheiner“ zu sehen, spielte den Jaco Kließ. Auch auf der Bühne war er präsent – unter anderem seit 2005 in der „Weihnachts-Engel“-Dinner-Show, musikalisch geleitet von Jürgen Fritz. 2007 erschien das Album „Du bes Kölle“ – mit Liedern, die seine tiefe Verbundenheit zur Domstadt zeigen. 2019 feierte er 60 Jahre Bühne und wurde 70 – beides in einem kölschen November.
Musiker mit Haltung
Doch Engel ist nicht nur Musiker. Er engagiert sich seit Jahren bei der Initiative „Arsch Huh“ gegen rechte Gewalt. Außerdem ist er Teil des Bürgerkomitees für die alternative Kölner Ehrenbürgerschaft. Tommy Engel ist ein Stück Köln – laut, herzlich, unbequem. Einer, der singt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Und der damit bis heute die Stadt zu Tränen rührt.