Himmlisch! Adenauer auf Wolke sieben im Divertissementchen

Von HONG KAYSER

Himmel, Kölsch und ein grüner Tennisball: Das neue Divertissementchen im Staatenhaus.

Konrad Adenauer hat Geburtstag. 150 Jahre alt ist der „Alte“ geworden – Grund genug für die Cäcilia Wolkenburg, ihm ein eigenes Divertissementchen zu widmen. Titel: E Levve för Kölle. Ergebnis: ein musikalisches Dauerfeuerwerk irgendwo zwischen Lokalgeschichte, Männerballett und operettenhaftem Himmelstheater.

So sieht das aktuelle Divertissementchen aus

  • Divertissementchen Staatenhaus 150 Jahre Konrad Adenauer
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Fotos: Stefanie Althoff

Wenn die Bühne bebt

Wer am Premierenabend ins Staatenhaus kam, hatte das Gefühl, in eine Karnevalsparty zu platzen, bei der der Dresscode „Alles außer Schwarz“ hieß. Es wurde gedrängelt, geplaudert, gelacht – Opernstille sieht anders aus. Kein Wunder, wenn das Staatenhaus für einige Wochen nicht der Oper gehört, sondern den Herren der Bühnenspielgemeinschaft Cäcilia Wolkenburg. Die hat sich diesmal den wohl berühmtesten Kölner Bürgermeister und Bundeskanzler geschnappt und ihm eine Revue gebaut, die so bunt ist wie ein Mottowagen auf Rosenmontag.

Adenauer, der Karnevalsskeptiker, darf in E Levve för Kölle trotzdem lachen – von ganz oben. Im Himmel residiert er auf einem Wolkenbüro, assistiert von Engeln mit Vornamen wie Start-up-Manager. Dort beschäftigt er sich mit brennenden Fragen der kölschen Gegenwart (Opernbau!) und bekommt Besuch von mehr oder weniger himmlischen Gestalten: Marilyn Monroe, Willy Brandt, Chruschtschow, Queen Elizabeth, Charles de Gaulle – alle gratulieren brav.

Zwischen Wolke und Wirklichkeit

Doch die himmlische Ruhe ist in Gefahr: Ludwig Erhard klopft an die Bürotür und will einziehen. Der Running Gag: Adenauer muss beweisen, dass er noch nicht abgeschrieben gehört – und so arbeitet sich das Stück durch seine Kölner Verdienste. Brückenbau, Grüngürtel, Messe, Uni, Ford, WDR, Stadion – was man halt alles an einem langen Wochenende erledigt. Mal flott erzählt, mal mit historischem Tiefgang, immer mit der klaren Botschaft: Der Mann hat Köln geprägt. Und zwar nachhaltig.

Aber keine Sorge – Geschichtsunterricht wird hier maximal mit Konfetti serviert. Wenn etwa im Tennisclub „Pudelnass“ die Hochzeit mit Emma Weyer gefeiert wird, dann fliegt ein riesiger Tennisball über die Bühne und tanzt mit. Später rollen historische Ford-Modelle durchs Bild, Ministeriale zanken sich über Brückentypen, und irgendwo mittendrin singt Chruschtschow eine Wodka-Hymne auf die Melodie von „Kalinka“.

Musik zwischen Mozart und Malle

Musikalisch fährt das Stück ein ganz eigenes Best-of zusammen: Da folgt auf Verdi ein ABBA-Song, auf Bachs Toccata ein kölsches Karnevalslied. Mozart, Vivaldi, Strawinsky – alle dürfen ran, aber nie zu lange, denn das Tempo bleibt hoch, das Stil-Hopping gnadenlos. Zwischen den Musiknummern liefern 111 Männer auf der Bühne Chöre, Sketche und Balletteinlagen ab, die sich bewusst über jede Grenze des guten Geschmacks hinwegsetzen – und genau deswegen funktionieren.

Regie führt Lajos Wenzel mit sicherem Gespür für Tempo und Timing, das Männerballett (choreografiert von Katrin Bachmann und Jens Hermes) balanciert auf dem schmalen Grat zwischen Klamauk und Könnerschaft – und fällt dabei erstaunlich selten runter. Gartenzwerge, Flugzeugtänzer, himmlische Engelskabinen – alles sitzt, alles passt, alles läuft.

Klüngel, Kalinka und Kanzlerwitze

Natürlich wird auch ordentlich gefrotzelt. Ludwig Erhard wird als „nasses Streichholz“ abgekanzelt, Adenauer zitiert sich selbst („Die einen kennen mich, die anderen können mich“) und gibt den grantelnden Staatsmann mit rheinischem Zungenschlag. Selbst Norbert Burger bekommt digital Nachhilfe im Opernhaus-Bauen – mit der Software „WibOf“, versteht sich.

Doch trotz aller Ironie ist E Levve för Kölle keine Satire, sondern ein charmant überdrehtes Denkmal in Tönen, Kostümen und Kalauer-Kaskaden. Der Abend ist lang (fast drei Stunden), laut (dauerklatschendes Publikum) und komplett ausverkauft – zumindest bis zum 17. Februar. Wer noch Karten will, muss entweder Beziehungen haben oder auf Wunder hoffen. Oder sich einfach aufs nächste Jahr freuen. Denn eins ist sicher: Nach dem Divertissementchen ist vor dem Divertissementchen.

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