Die legendäre Eifelfahrt
Ein Vorarbeiter aus Buchheim, eine Kamera, die immer dabei war, und eine Familie, die zum Sinnbild einer ganzen Epoche wurde. Fred Fussbroich ist tot – seine alten Fernsehauftritte aber erleben gerade eine zweite Blüte.
Zwischen 1990 und 2003 begleitete die Dokumentarfilmerin Ute Diehl die Kölner Familie Fussbroich für den WDR, hundert Folgen lang. Was als kritischer Blick auf die Konsumgesellschaft gedacht war, wurde zu etwas ganz anderem: ein warmherziges Zeitdokument über einen Mann, den man einfach gernhatte.
Ein Arbeiter, der die Welt erklärte

Screenshots: WDR
Fred Fussbroich war Vorarbeiter, seine Frau Annemie Sekretärin, ihr Sohn Frank meist mittendrin im Chaos. Die Kamera begleitete die Familie beim Einkaufen, im Pauschalurlaub, im Fitnessstudio – Konsum als ständiges Thema, aber nie als Vorwurf. Fred selbst redete gern vom „Arbeitsmann”“, und genau das gab seinen Sätzen etwas, das über die eigene Wohnung hinausreichte. Besonders in Erinnerung geblieben ist die Folge „Die Qual der Wahl“ von 1994. Annemie wollte die Grünen wählen, Fred blieb stur bei seiner Überzeugung: Ein Kölner wählt SPD. Politisch tiefgründig war das nicht – aber ehrlich, direkt, ohne Verstellung. Genau das war sein Markenzeichen.
Kein Reality-Star, sondern ein echter Typ
Was Fred Fussbroich von späteren Reality-Formaten unterschied, war die Ehrlichkeit der Situation. Die Kamera wurde nicht versteckt, sie wurde direkt angesprochen. Niemand musste Konflikte inszenieren, weil das Leben der Fussbroichs auch ohne Drehbuch genug hergab. Das gab der Familie eine Würde, die vielen späteren TV-Formaten fehlt. Fred selbst war dabei alles andere als eine Witzfigur. Ute Diehl beschrieb ihn einmal als ausgesprochen intelligenten Menschen – und genau das merkte man ihm an. Er sprach verbindlich, freundlich, selbstbewusst, hörte seiner Frau tatsächlich zu. Manche seiner Ansichten würden heute zu Recht hinterfragt werden. Doch in seiner Art zu sprechen lag etwas, das selten geworden ist: echtes Interesse am Gegenüber, ohne Attitüde.

Foto: RTL2
Warum die alten Folgen heute wieder gefragt sind
Fred Fussbroich starb mit 81 Jahren. Seither erleben die alten Folgen der Fussbroichs eine Renaissance – auf Instagram und YouTube werden sie wieder massenhaft angeschaut, geteilt, kommentiert. Der Grund liegt vermutlich weniger in Nostalgie allein als in dem, was Fred verkörperte: eine Zeit, in der die großen Krisen weit weg schienen und man sich Sorgen um Söhne, Arbeitsplätze und den nächsten Urlaub machte, statt um die großen Fragen der Weltpolitik. Eine Zeit, die einfacher wirkte, gerade weil sie es gar nicht war. Fred Fussbroich stand für diese Leichtigkeit – ehrlich, direkt, und mit dem Herz immer auf der Zunge.