Gefrorene Makrelen und Heringe für die Seelöwen Fotos: Kölner Zoo
Von unserer Redaktion
Köln ächzt. Juni, 30 Grad nur im Schatten, Tendenz steigend. Wer kann, sucht sich ein ruhiges Plätzchen unter Linden oder Platanen. Auch im Kölner Zoo ist der Sommer angekommen.
Während Menschen auf Sprühnebelanlagen oder Speiseeis zurückgreifen, bedienen sich die tierischen Bewohner ihrer jeweils eigenen Mittel. Einige wirken pragmatisch, andere erinnern an Überlebensstrategien aus anderen Klimazonen. Wieder andere lassen sich kaum von der Hitze beeindrucken.
Die Ruhe der Löwen, die Disziplin der Tiger
Die jungen Amurtiger „Tochka“ und „Timur“ – ein gut einjähriges Geschwisterpaar – nutzen das Wasserbecken ihrer Anlage mit Selbstverständlichkeit. Sie baden nicht, sie kühlen sich. Still, gezielt, effizient. Die Löwen gleich nebenan verfahren anders. Die fünfköpfige Familie – Vater Navin, Mutter Gina und drei Jungtiere – zieht sich in die Schatten der Außenanlage zurück. Kein großes Spektakel, eher eine leise Verschiebung von der Sonne ins Dunklere. Wer sie beobachten will, muss genau hinsehen.
Die Wüste im Kopf
Trampeltiere gelten als wahre Hitzeprofis. Ihre Fähigkeit, eine Körpertemperatur von über 40 Grad zu tolerieren, ohne Schaden zu nehmen, erscheint fast übermenschlich. Oder vielmehr: übertierisch. Sie reduzieren bei Bedarf den Wasseranteil im Urin und sogar in der Atemluft – eine Form von Selbstregulation, die eher an feine Technik als an Biologie erinnert. Andere Tiere wählen drastischere Methoden. Der Marabu, ohnehin kein Vertreter feiner Zurückhaltung, bespritzt sich bei großer Hitze mit eigenem Kot. Zweckmäßigkeit schlägt Ästhetik. Auch die Flusspferde haben ihre Strategie. Sie sondern ein rötliches Sekret ab, das als natürlicher Sonnenschutz fungiert – man könnte sagen: eine eingebaute Sonnencreme.
Eis, das nicht für Besucher gedacht ist
Bei den Seelöwen wird es kulinarisch. Wenn die Temperaturen steigen, serviert das Pflegerteam gefrorene Fisch-Torten: Makrele, Hering, umhüllt von Eis. Die Tiere nehmen das Angebot an, ohne Aufhebens. Keine Show, kein Balzverhalten. Nur ein gezielter Griff zur Kalorie mit Kühlfaktor. Die Humboldt-Pinguine, beheimatet an den Küsten Chiles, nutzen ihre Flügel zur Thermoregulation. Aufgespreizt geben sie Wärme ab – ein physiologischer Trick, der mit der gleichen Nüchternheit funktioniert wie der Ventilator im Büro. Zusätzlich steht ihnen ein kaltes Wasserbecken zur Verfügung.
Und der Mensch?
Auch wer auf zwei Beinen unterwegs ist, muss sich mit der Hitze arrangieren. Im Zoo gelingt das mit etwas Glück: Baumbestandene Wege, Sitzbänke unter dichtem Blattwerk, ein Getränk in der Hand. Für eine kurze Zeit lässt sich der Sommer hier aushalten. Vielleicht nicht besser als anderswo – aber bewusster. Der Zoo ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.







