Die Nacht zu Aschermittwoch: Warum in Köln der Nubbel verbrannt wird

Montage: Alamy/imageBROKER.com ; Graphic Journey via canva.com

Von unserer Redaktion

Köln – Er wird zum stummen Zeuge wilder und langer Partynächte, zechender Feiernder und feuchtfröhlicher Flirtereien: Der Nubbel ist eine Strohpuppe, die spätestens ab Weiberfastnacht über den Eingängen kölscher Kneipen hängt.

Der Nubbel ist die vermutlich praktischste Erfindung des Kölner Karnevals: Egal, wie wild man an den tollen Tagen feiert, egal, was dabei passiert – schuld ist immer nur der Nubbel. Die ganzen Sünden sind vergeben und vergessen, wenn in der Nacht zu Aschermittwoch der Nubbel vor der Kneipe verbrannt wird.  Mit schaurig-schönen Klagen gestehen die Jecken dann ihr Fehlverhalten: zu viel Kölsch getrunken, zu spät nach Hause gekommen, das Tanzbein übermäßig geschwungen? Kein Problem – der Nubbel nimmt es auf seine Strohweste: eine Mischung aus ritueller Reinigung und rheinischem Humor.

Das große Finale: Kölns größte Nubbelverbrennung

Die wohl eindrucksvollste Nubbelverbrennung der Stadt steigt im Kölner Studentenviertel, dem Kwartier Latäng. Hier versammelt sich am 4. März 2025 Tausende vor dem Hellers Brauhaus, das zusammen mit einem guten anderen Dutzend Veedelskneipen zum großen Sünden-Showdown bittet. Mit dabei sind in diesem Jahr auch die Gaststätten Engelbät, Flotte, Furchtbar, Gilbert’s Pinte, grace+grape, Joode Lade, Kölschbar, Museum, Pegel Köln, Roonburg, Schmelztiegel, Stiefel, Tankstelle, Umbruch und der Venus Celler.

Nach den letzten Schunkeleien in den Kneipen setzt sich der große Nubbelzug durchs Viertel gegen 23.30 Uhr in Bewegung – angeführt von einer Kutsche, auf der die Nubbelpuppen der beteiligten Lokale thronen. Zur Anklageverlesung vor dem Brauhaus leuchten Jecke mit Pechfackeln, ehe dann alle Sündenböcke angezündet werden.

Vor 200 Jahren fängt alles an

Die Tradition des Nubbelverbrennens soll es laut Überlieferungen bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts geben. Damals war Köln von den Preußen besetzt, die mehr Ordnung und Disziplin im Karnevalstreiben forderten. Dazu gründeten die Kölner ein „festordnendes Comitee“, dass heute einer der einflussreichsten Karnevalsverbände der Welt ist, außerdem wurden die Figur des Prinzen und der Rosenmontagszug geboren. Auch das offizielle Begraben der Fastnacht soll mit diesen Neuerungen etabliert worden sein. Der Heimatkundler Ernst Weyden schrieb damals: „Mit förmlichem Leichengeleite trug man eine Puppe auf einer Bahre durch die Stadt und verbrannte dieselbe auf einem Platze.“

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