30 PROZENT WENIGER TOUREN – Kölner Taxis fahren knapp am Existenzminimum

Von unserer REDAKTION

Köln – Eine ganze Branche steht mit dem Rücken zur Wand: Das Kölner Taxi-Gewerbe fährt knapp am Existenzminimum – die wirtschaftliche Lage ist dramatisch. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Stadt Köln in Auftrag gegeben hat.

Eigentlich wollte die Stadt mit der Studie untersuchen lassen, wie sich das geänderte Mobilitäts-Verhalten der Leute auf die Taxibranche auswirkt: Immer mehr Menschen fahren mit Bus und Bahn, Fahrrad, E-Bike oder E-Scooter, buchen alternative Mietwagen via App. Braucht Köln für die Zukunft also mehr oder eher weniger Taxi-Lizenzen?, so die Frage.

Das Gutachten hat Linne & Krause aus Hamburg erstellt, der Marktführer für Gutachten über die Taxi- und Mietwagen-Branche.

Tatsächlich geht es aber um Rettung einer ganzen Branche, wie das Ergebnis des Gutachter zeigt: Fast ALLE (!) Taxibetriebe sind in ihrer Existenz gefährdet. Die Zahl der Taxifahrten hat sich um ein Drittel reduziert – und keine Besserung in Sicht.

So fuhr die Branche in die Miesen

taxi Kölner Flughafen
Stundenlanges Warten für eine einzige Fahrt: Die Lage am Flughafen Köln/Bonn
Foto: Andreas Weber/Getty Images via canva.com

Laut Gutachten gibt es zwei Hauptgründe für die Schieflage des Kölner Taxigewerbes:

1. Die Pandemie und ihre Folgen
  • Videokonferenzen und Home Office als Ersatz für Konferenzen und Tagungen vor Ort sind bei den meisten Unternehmen immer noch hoch im Kurs. Die Zahl der Dienstreisen hat sich massiv reduziert, damit auch die Taxi-Fahrten zum Flughafen oder Bahnhof.

  • Die Reisegewohnheiten der Leute haben sich verändert. Viele Menschen haben alternative Transportmittel wie Fahrräder, E-Scooter oder Ride-Sharing-Dienste für sich entdeckt.

  • Viele Taxiunternehmen haben sich während der Pandemie verschuldet: Die Fixkosten wie Versicherungen, Lizenzgebühren, Wartung & mehr blieben, die Fahrten und Einnahmen gingen massiv zurück.
2. Dumpingpreise
  • Semiprofessionelle Taxibetrieben und Mietwagen-Anbietern, die ihre Fahrten teilweise zu Dumpingpreisen anbieten, sorgen daneben für eine akute Gefährdung der Funktions- und Existenzfähigkeit des Kölner Taxigewerbes, so das Gutachten.

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Fast alle Betriebe gefährdet



Eine Erhöhung der Taxi-Lizenzen durch die Stadt Köln würde die Lage für die Betriebe weiterverschlechtern, so das Gutachten. Die Empfehlung: Die Zahl von derzeit 1.154 Lizenzen soll auf keinen Fall erhöht, sondern statt dessen abgebaut werden, indem z. B. auslaufende Lizenzen nicht verlängert werden.

Das Gutachten beantwortet damit Paragraph 13, Absatz 4 Personenbeförderungsgesetz (PBefG): Ab welcher Anzahl Taxen gibt es einen ruinösen Wettbewerb, der die Funktionsfähigkeit des Gewerbes und damit auch die öffentlichen Verkehrsinteressen beeinträchtigt?

Ebenso wie Busse und Bahnen gehören die Taxen zum Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs und sind gerade für ältere Menschen oder nicht App-affine Menschen ein wichtiger Bestandteil des Verkehrsangebotes.

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Erste Maßnahmen der Stadt

Die Verwaltung wertet das Gutachten jetzt detailliert aus und prüft die vorgeschlagenen Maßnahmen. Dazu stellt sie das Gutachten auch den beteiligten Kölner Taxizentralen, der zuständigen Interessenvertretung des Taxiverbandes in NRW sowie der Industrie- und Handelskammer Köln zur Verfügung.

Das Ordnungsamt intensiviert die Kontrolle von appvermittelten Mietwagen. Lizenzen, die nicht verlängert oder zurückgegeben wurden, werden nicht erneut vergeben.

Quelle: Stadt Köln

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Titelfoto/Kollage: Marc Osborne/Getty Images; Andreas Weber/Getty Images via canva.com

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