Das Luis Dias im alten Höhns-Brauhaus in Mariendorf (Montage)
Von Leo Ludwig*
Köln – In einer Weinbar sollten die Getränke die Hauptrolle spielen, nicht das Essen. Dennoch braucht man beides – und alles idealerweise zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Das testen wir heute im noch relativ neuen Portugiesen im alten Brauhaus in Marienburg. Prost und Saúde!
Im früheren Höhns-Braushaus am Gürtel/Ecke Bonner Straße residiert “Luis Dias” nun mit dem zweiten Laden in Köln. Die Idee einer Weinbar in Marienburg ist nicht zu verachten. Unsere Erwartungen sind hoch: Feinschmecker-Auszeichnungen fürs erste Lokal in Rodenkirchen sind noch kein Garant fürs Neue, wie wir im Laufe des Abends feststellen werden.
Wie immer zahlen wir selbst und essen inkognito. Das ehrliche Test-Essen in Köln.

Rolladen runtergelassen
Drinnen ist von Brauhaus nichts mehr zu sehen: Iberisch-burlesque anmutende Torrero-Malereien und ein stechendes Türkis bestimmen den theatralisch inszenierten Gastraum. Nur die dunklen, heruntergelassenen Rolladen, die offenbar die Brauhaus-Fenster verstecken sollen, irritieren bis stören.
Die Bedienung ist sehr, sehr aufmerksam. Die Starter-Getränkekarte ist so interessant, so dass wir sie länger studieren


Eine Begleitung wählt den „Passion Fruit Sprizz“ (je 12,50 Euro), ich den klassischen James Bond-Martini (je 12 Euro). Der Passionsfruchtsaft samt Wodka begeistert als eine Art Herrengedeck, weil der Schaumwein im Schnapsglas dazu extra serviert wird. Der Martini hat den rauhen Charme, mit entsprechend herrlichem Abgang.
Aperitif mit Begleitung
Freudig lassen wir uns die Weinkarte und Speisekarte geben. Anstatt Kleinigkeiten oder Tapas zum Wein gliedern sich die Speisen in Kalt, Warm und Süß. Als Apero-Begleitung nehmen wir die „eingelegten Artischocken mit Feta“ (je 14 Euro), 70 Gramm „Cebo de Campo“-Schinken (je 17 Euro) und Kalamata-Oliven (je 8 Euro). Ferner gibt es kleine Brotscheiben mit Dip.

Die Apero-Begleitung schmeckt zwar, aber ist angesichts des Preises nichts besonderes, sondern subjektiv empfunden eher überteuert. Standortzulage?
Für die nächste Runde wählen wir eine Flasche Steinwiege Grauburgunder von Weingut Schnaitmann (je 32 Euro) und eine Flasche Wasser (je 7,50 Euro). Der Wein ist fabelhaft, weniger fabelhaft ist der Lärmpegel.
Alles in Mini-Portion
Begleitend zum Wein wählen Freunde die kleine Portion Steinbutt mit Trüffel, Eisgerste und Miso (je 22,50 Euro) sowie den kleinen Wildlachs mit Sake, Rosmarin und Aquarello Reis (je 16,50 Euro). Ich entscheide mich für die nur als große Portion erhältlichen Tagliarini mit schwarzen Trüffel (je 28 Euro).

Der Steinbutt hat den richtigen Garpunkt, die Eisgerste ist Namensklauberei und nichts anderes als Perlgraupen. Die Größe der Kleinst-Portion sorgt für die ersten empörten Lacher. Mit ebenso geschmacklichem Chichi kommt der Wildlachs und seine Zutatenbeschreibung daher.
Die Fischgerichte stimmen zwar gemacklich, das Preis-Leistungs-Verhältnis in unseren Augen leider gar nicht. Das offenbart auch die bescheidene, angeblich große Tagliarini-Portion, die mit wenigen Gabelgriffen verspeist ist. Lecker, aber zu wenig. Zu teuer gefühlt.

Beim nächsten Mal nur Trinken
Die Stimmung unseres Besuches ist gedrückt. Wir lassen unseren Blick schweifen: ein voller Gastraum, eine durchaus unangenehme Geräuschkulisse und ein offenbar sehr einfach zufriedenstellendes Publikum, das sich weder an Portionen, noch Preisen stört.
In dem Moment bin ich froh, dass die ganze Zeit die dunklen Rolladen herunter sind. Niemand sieht uns dort sitzen. Wir hätten nur Trinken sollen. Cheers!
Note: 3
Wo wir gegessen haben: Luis Dias im alten Höhns-Braushaus, Bonner Str. 381 in Marienburg
*Unabhängig, kritisch und immer auf der Suche nach einem neuen Gaumenschmaus in Köln. Unser professioneller Test-Esser “Leo Ludwig” ist ein Kenner der Kölner Gastro-Szene. Für seine Kritiken besucht er die Restaurants als normaler Gast und zahlt für seine Rechnungen. Um auch in Zukunft unbestechbar und unauffällig testen zu können, schreibt er bei YES WE KÖLN unter einem Pseudonym. Die ehrliche Gastro-Kritik.
Korrektur in eigener Sache: In einer ersten Fassung hatten wir irrtümlich geschrieben, dass Luis Dias ein Spanier sei. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
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