Foto: Polizei Köln
Von der REDAKTION
Köln – Razzia in einer illegalen Zockerbude in Köln-Kalk: Jackpot für die Polizei, richtig schlechte Karten für alle anderen. Nach außen sah das Café auf der Kalker Hauptstraße wie ein typischer Veedels-Treffpunkt aus, bodenständig und ohne Luxus. Im Inneren ging es aber um richtig dickes Geld.
Nach Hinweisen aus der Bevölkerung betraten die Beamten am Dienstag gegen 15 Uhr das Café auf der Kalker Hauptstraße. Die Fahnder erwischten 16 Männer in flagranti. Die Beschuldigten saßen rund um einem großem Tisch, waren gerade beim Würfeln. Der Spieleinsastz lag auf dem Tisch: 150.000 Euro in bar.
Neben Würfelrechen, Würfelbecher und dem Bargeld stellten die Beamten bei der Durchsuchung eines 66-Jährigen Schweizers circa 12.000 Euro Bargeld sicher. Da er keinen festen Wohnsitz in Deutschland hat, wird er heute einem Haftrichter vorgeführt.
Gegen alle im Café angetroffenen Männer laufen Ermittlungen wegen des Verdachts der Veranstaltung eines illegalen Glücksspiels sowie wegen der Beteiligung. Aufgrund fehlender Konzession und dem Verdacht, dass das Café zweckentfremdet wird, haben die Beamten das Café geschlossen und versiegelt.
Quelle: Polizei Köln
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Booking.comGlücksspiel in Köln: Das ist die Lage
Die Stadt Köln hat am 1. April 2023 die Vergnügungssteuer auf Geldspielgeräte von 13,08 Prozent auf 20,00 Prozent erhöht.
Bisher hat diese deutliche Steuererhöhung keine großen zusätzlichen Einnahmen gebracht. Laut einem Beschluss des Stadtrats wurde die Steuer auf Geldspielgeräte angehoben, doch die erwarteten Mehreinnahmen blieben aus.

Im zweiten Quartal 2023, also von April bis Juni, erzielte die Stadt 3,5 Millionen Euro an Spielautomatensteuern, was 212.767,16 Euro mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres war – ein Anstieg von 6,5 Prozent. Im dritten Quartal jedoch sanken die Einnahmen stark und lagen mit 2,1 Millionen Euro um ein Drittel niedriger als im Vorjahresquartal.
Es bleibt unklar, ob die Einnahmen trotz der Steuererhöhung die Vorjahreswerte übertreffen werden. 2022 nahm Köln 12,2 Millionen Euro aus der Spielautomatensteuer ein. Während der Corona-Pandemie waren die Einnahmen deutlich niedriger: 9,4 Millionen Euro im Jahr 2020 und 7,5 Millionen Euro im Jahr 2021. Vor der Pandemie lagen die Einnahmen höher, mit 15,8 Millionen Euro im Jahr 2018 und 14,5 Millionen Euro im Jahr 2019.
15 Millionen Euro
Die Stadt hofft, wieder ein Einnahmenniveau von etwa 15 Millionen Euro jährlich zu erreichen. Das Finanzdezernat sieht Anzeichen einer Erholung der Branche trotz der schwierigen Rahmenbedingungen wie hoher Energiekosten und Personalengpässen.
Die Steuererhöhung könnte auch Auswirkungen auf die Anzahl der betriebenen Geräte haben, was eine Reduzierung des Glücksspielangebots und möglicherweise eine Eindämmung der Spielsucht zur Folge hätte. Verena Küpperbusch, Leiterin der Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW, meint, dass weniger Geräte betrieben werden könnten.
280.000 Süchtige
In NRW gibt es schätzungsweise 280.000 glücksspielsüchtige Menschen, weshalb Maßnahmen zur Reduzierung des Glücksspielangebots begrüßt werden. Die Landesregierung hatte die Vorschriften für Mindestabstände zwischen Spielhallen verschärft, diese jedoch 2021 wieder gelockert.
Seit der Steuererhöhung ist die Anzahl der Spielautomaten in Köln leicht zurückgegangen. Derzeit sind in Spielhallen 1920 Geräte aufgestellt, 40 weniger als im April. In Gaststätten sank die Zahl der Geräte von 1078 im April auf 1022.

Um Steuerhinterziehung zu verhindern, hat der Stadtrat beschlossen, die Prüfungsmöglichkeiten zu erweitern. Automatenbetreiber müssen bestimmte Daten künftig elektronisch an das Steueramt übermitteln, um Manipulationen zu erschweren.
In Deutschland sind laut dem „Glücksspielatlas“ 1,3 Millionen Erwachsene glücksspielsüchtig, mit weiteren 3,3 Millionen, die Suchtanzeichen zeigen. In Kölner Spielhallen wurden 2022 pro Automat durchschnittlich 37.474,20 Euro verspielt, während es in Gaststätten 31.861,28 Euro waren. Aktuell gibt es in Köln 192 Spielhallen mit insgesamt 1920 betriebenen Geldspielgeräten.
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Booking.comGlücksspiel und seine Risiken: Hilfe und Beratung in Köln
Glücksspiele wie Sportwetten, Lotterien oder Online-Pokerspiele bergen ein hohes Suchtpotenzial. Insbesondere Geldspielautomaten in Gaststätten und Spielhallen stellen ein großes Risiko dar. Spiele, bei denen Geld eingesetzt wird und das Ergebnis überwiegend vom Zufall abhängt, können schnell zur Sucht führen.
Wer ist betroffen?
Bundesweite Studien zeigen, dass Glücksspielsucht Menschen aller Altersgruppen betrifft, besonders häufig jedoch Männer. In Nordrhein-Westfalen wird die Zahl der Betroffenen auf rund 40.000 geschätzt, und Experten befürchten einen weiteren Anstieg. Auch in Köln sind viele Menschen auf Hilfe angewiesen.

Auswirkungen der Glücksspielsucht
Die Folgen einer Glücksspielsucht sind gravierend. Betroffene und ihre Angehörigen leiden oft erheblich, was zu finanziellen und persönlichen Problemen bis hin zum wirtschaftlichen Ruin ganzer Familien führen kann.
Beratungsangebote in Köln
Für Betroffene und ihre Angehörigen bietet Köln verschiedene Beratungsstellen an, die persönliche und kostenlose Unterstützung im Umgang mit Glücksspielsucht anbieten.
Rechtsrheinische Beratungsstellen
- Drogenhilfe Köln GmbH
- Adresse: Bergisch Gladbacher Straße 71, 51065 Köln
- Telefon: 0221 / 933876980
- Sprechstunde: Jeden Mittwoch, 14 bis 16 Uhr
- Web: spielfrei.info
- Diakonisches Werk Köln und Region gGmbH
- Adresse: Graf-Adolf-Straße 22, 51065 Köln-Mülheim
- Telefon: 0221 / 356506-054
- Termine: Nur nach telefonischer Vereinbarung
Linksrheinische Beratungsstellen
- Kölner Fachstelle Glücksspielsucht, Drogenhilfe Köln GmbH
- Adresse: Krefelder Straße 5, 50670 Köln
- Telefon: 0221 / 997873-0
- Fax: 0221 / 138082
- Beratung auch auf Türkisch und Englisch möglich.

Weitere Angebote der Kölner Fachstelle Glücksspielsucht
- Motivationsgruppe: Jeden Montag von 18 bis 19:30 Uhr, Krefelder Straße 5, 50670 Köln
- Angehörigenberatung: Termine nach telefonischer Vereinbarung
- Ambulante Rehabilitation: Bei pathologischem Glücksspiel als Anschluss an eine Beratung
Median Gesundheitszentrum Köln
- Adresse: Neumarkt 8-10, 50667 Köln
- Telefon: 0221 / 27277060
Beratungsstellen in der Umgebung
- Bergheim: Kölner Straße 14, 50126 Bergheim, Telefon: 02271 / 4764-0
- Brühl: Heinrich-Esser-Straße 37, 50321 Brühl, Telefon: 02232 / 18930
Online-Beratung
- Assisto:spielfrei.assisto.online
- Live-Chat ohne Anmeldung: Dienstag und Mittwoch 14:30 bis 15:30 Uhr
- Online-Gruppe: Jeden zweiten Mittwoch von 17 bis 18 Uhr

Telefonische Beratung
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
- Telefon: 0800 / 1372700 (kostenlos und anonym)
- Beratungszeiten: Montag bis Donnerstag 10 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr
Selbsthilfegruppen in Köln
- Anonyme Spieler (GA): Informationen bei der Selbsthilfe-Kontaktstelle Köln, Marsilstein 4-6, 50676 Köln, Telefon: 0221 / 95154216
Hilfe für Kinder von glücksspielsüchtigen Eltern
- KIDKIT: Unterstützung und Online-Beratung für Kinder und Jugendliche, deren Eltern problematisches Spielverhalten zeigen.
Geldwäscheprävention im Glücksspielsektor: Kontrolle und Maßnahmen im Fokus
Der Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung ist auch im Glücksspielsektor von höchster Bedeutung. Unter Berufung auf das Geldwäschegesetz (GwG) sind Veranstalter und Vermittler von Glücksspielen verpflichtet, umfangreiche Präventionsmaßnahmen zu ergreifen und Sorgfaltspflichten zu erfüllen. Dies betrifft insbesondere Wettvermittlungsstellen, ODDSET-Sportwetten vermittelnde Annahmestellen, Buchmacher und Spielbanken im Regierungsbezirk Köln, sofern sie eine glücksspielrechtliche Erlaubnis der Bezirksregierung Köln besitzen.
Strikte Regulierung und Aufsicht
Die Bezirksregierung Köln übernimmt die Überwachung der geldwäscherechtlichen Verpflichtungen dieser Einrichtungen, beginnend bereits bei der Beantragung der Erlaubnis. Ausgenommen von diesen Verpflichtungen sind Betreiber von Geldspielgeräten nach § 33c der Gewerbeordnung, Vereine, die Totalisatoren gemäß § 1 des Rennwett- und Lotteriegesetzes betreiben, sowie Lotterien, die nicht online durchgeführt werden und eine staatliche Erlaubnis vorweisen können, sowie Soziallotterien.
Maßnahmen zur Risikoprävention
Um die Risiken von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung effektiv zu mindern, müssen die Verpflichteten ein wirksames Risikomanagement etablieren. Dies beinhaltet eine detaillierte Risikoanalyse gemäß § 5 GwG sowie interne Sicherungsmaßnahmen gemäß § 6 GwG. Weiterhin sind sie dazu verpflichtet, Geschäftsbeziehungen und Transaktionen auf verdächtige Auffälligkeiten zu überwachen, Nachweise über Schulungen der Mitarbeiter zu dokumentieren und umfassende Daten über ihre Kunden zu erheben.
Rolle des anonymen Hinweisgebersystems
Ein zentraler Bestandteil der Präventionsstrategie ist das anonyme Hinweisgebersystem. Personen mit spezifischem Insiderwissen können anonym Hinweise auf mögliche Verstöße gegen das Geldwäschegesetz geben, ohne dabei persönliche Informationen preisgeben zu müssen. Diese Hinweise können über verschiedene Kanäle an die Bezirksregierung Köln weitergeleitet werden, die dann entsprechende Maßnahmen zur Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften einleiten kann.
Kontaktoptionen zur Bezirksregierung Köln
Für die Meldung von Verdachtsfällen oder zur weiteren Information stehen mehrere Kontaktmöglichkeiten zur Verfügung:
- Post: Bezirksregierung Köln, Dezernat 21 – Geldwäscheprävention, 50606 Köln
- Telefon: 0221/147-2159 oder 0221/147-2604
- Fax: 0221/147-2305
- Email: gwg-gluecksspiel@bezreg-koeln.nrw.de
Wichtigkeit der Meldung an die FIU
Es ist entscheidend zu betonen, dass eine Meldung über das anonyme Hinweisgebersystem nicht die Verpflichtung zur Meldung eines verdächtigen Falls an die Financial Intelligence Unit (FIU) ersetzt. Die FIU ist die zentrale Stelle für die Entgegennahme und Analyse von Meldungen über verdächtige Finanztransaktionen im Rahmen der Geldwäschebekämpfung.
Die strengen Vorschriften und umfangreichen Kontrollen sollen sicherstellen, dass der Glücksspielsektor in Köln keine Plattform für illegale Finanzaktivitäten bietet und die Integrität des Finanzsystems gewahrt bleibt.