Björn Heuser beim Konzert in der Volksbühne am Rudolfplatz
Von HONG KAYSER (Text & Fotos)
Köln – Die Premiere verläuft großartig, das Publikum feiert das neue Album von Björn Heuser. Zwei Tage später will der Kölner Musiker mit seiner gleichnamigen “Stadtmusikanten”-Tour starten. Und dann tritt das ein, womit er auf keinen Fall auf die Bühne kann: Magen-Darm.
Einen Tag vor seinem Totalausfall hat er uns noch ein Interview gegeben. Wir trafen einen super gelaunten, glücklichen Björn Heuser am Tag nach der Album-Präsentation.

20.000 Fans in der Kölnarena bei “Kölle singt!” oder 400 bei der Präsentation des neuen Albums in der Volksbühne: Wann bist du aufgeregter?
BJÖRN HEUSER: “Ich hab das große Glück, dass ich mit Aufregung und Nervosität kein Problem habe. Ich habe nie Lampenfieber: Die Bühne ist der Ort, wo ich mich am allerwohlsten fühle. Ich liebe es vor Leuten zu stehen und zu singen. Da bin ich überhaupt nicht aufgeregt.
Wenn man in der Arena 20.000 hat und 400 im Theater, die Vorfreude ist gleich groß. Es gibt für mich nichts cooleres als meinen Traum zu leben. Das darf ich seit einem Vierteljahrhundert. Die Leidenschaft zum Beruf zu machen und damit die Familie zu ernähren, ist das größte Glück im Leben.”
12 Songs sind auf deinem neuem Album “Stadtmusikant”: Welcher liegt dir am meisten am Herzen?
BJÖRN HEUSER: “Das ist echt schwierig. Ich schreibe ja unfassbar viele Lieder. Fürs Album waren etwa 40 Lieder im Pool, 12 sind übrig geblieben. Hier kann ich mich nicht entscheiden. Jeder Song ist ein besonderer Teil meiner Seele. Jeder Song hat ein Alleinstellungsmerkmal hat und eine wichtige Aussage.
Es gibt private Sachen, witzige, aber auch kritische Themen. Ich muss mich jetzt schon wieder zügeln, dass ich nicht schon das nächste Album anfange. Ich habe immer so einen inneren Drang etwas zu tun. Vielleicht ist es auch die Angst irgendwann keine Ideen mehr zu haben, weshalb alles direkt raus muss.“
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Nach jedem Konzert nimmst du dir gefühlt ewig Zeit für die Fans.
BJÖRN HEUSER: “Nach den Konzerten haue ich nicht ab. Mir ist es wichtig, mit den Leuten zu reden. Das ist es, wo ich meine Inspiration her hole. Das war auch jetzt wieder total schön zu merken, wie sich die Leute auch inhaltlich mit den Songs beschäftigen.
Meine Lieder, das sind Mosaiksteine der Seele, sehr autobiografisch. Wenn man es schafft, dass andere Leute die Gefühle bei sich selbst entdecken, die ich mit meinen Liedern verarbeite, ist das was ganz Besonderes. Ich mache Musik, um mich mit Menschen zu verbinden.”
Deine Lieder live und auf dem Album sind zwei paar Schuhe?
BJÖRN HEUSER: “Das Album nehme ich mit fantastischen Musikern auf im Studio, mit einer ganzen Band. Wenn ich auf die Bühne gehe mit meinen Songs ist es was ganz anderes: Ich sehe mich in der Tradition der Liedermacher. Ich schnapp mir meine Gitarre und erzähl den Leuten meine Geschichten. Das ist was ganz anderes, als das, was man auf dem Album hört.
Keith Richard hat mal gesagt: ‘Der Song ist dann gut, wenn er nur mit einer Gitarre funktioniert. Die Reaktion bei der Premiere war riesig, was mich sehr gefreut hat. Die Songs können für sich stehen, aber wenn man es musikalisch exquisiter haben will, mit der ganzen Vielfalt der stilistischen Mittel, dann sollte man sich das Album anhören.

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Was steht dieses Jahr bei dir sonst noch an?
“Neben der Stadtmusikanten-Tour dieses Jahr gibt es parallel jeden Freitag die Mitsang-Reihe im Gaffel am Dom. Dann am 29. September das Highlight “Kölle singt” in der Arena, da sind schon 10.000 Karten weg. Zwischendurch gibt es auch noch die üblichen Mitsing-Konzerte in München und Berlin. Ich bin voller Vorfreude , dass ich das machen darf. Sieht nach einem guten Jahr aus. Wenn das nur halbwegs so läuft, bin ich zufrieden.”
Das Album “Stadtmusikant”
Seit dem 1. März ist das 11. Album von Björn Heuser veröffentlicht. Der Titel “Stadtmusikant” hat historische Wurzeln: Ein Stadtmusikant ist laut Duden ein „in einer Zunft organisierter Musikant im Dienste der Stadt“. Musiker zur Mehrung des Ansehens einer Stadt hat heute keiner mehr, aber trotzdem passt der Titel quasi perfekt zu Björn Heuser.
Egal ob Mitsing-Konzert in der Kneipe vor 150 oder in der Arena vor 20.000, Björn Heuser fördert das kölsche Liedgut und die Kölsche Kultur wie kaum ein anderer, gerade weil er auch nicht nur seine eigenen Songs promotet.

Geschichten als Lieder
Björn Heuser ist ein Kölner Liedermacher, der wie kaum ein anderer in der Sprache seiner Heimat Geschichten erzählen kann – über die Stadt und die Menschen, über die Liebe und das Leben. Heuser schreibt Texte jenseits der bewährten Lobhudeleien, die mit häufig ähnlichen, einfachen Reimen die Stadt und ihre Menschen hochleben lassen.
Und so bekommt das Lied vom „Stadtmusikanten“, das dem neuen Album den Namen gab, eine weitere Bedeutung: Björn Heuser wollte immer mehr als der Alleinunterhalter für Mitsingpartys sein. Er will eigene Geschichten erzählen, im besten Fall beides kombinieren. Der Stadtmusikant muss um Aufmerksamkeit kämpfen, um von dem erzählen zu können, was ihm wichtig ist.
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Kindheit in der Körnerstraße
„Wenn et Fell jöck, muss ich laufe“, zitiert er eine kölsche Redensart, die er von seinem Großvater kennt. Mehr als einmal habe er sich die Finger verbrannt und „de Wohrheit off beloge“ – „op der Söök noh Freiheit als Stadtmusikant“. Es wäre langweilig, wenn die Suche einfach wäre.
Im Vergleich zu früheren Alben ist Heuser weniger melancholisch unterwegs. Im Lied „De jeilste Johre“ erinnert er sich an seine Kindheit in der Ehrenfelder Körnerstraße. Damals war die Straße, die heute der Inbegriff für Gentrifizierung ist, noch ein hartes Pflaster im Arbeiterstadtteil.
Er denkt zurück „an die joode ahle Zick“, aber der treibende Popsong lässt wenig Raum für zu viel Wehmut. Die Botschaft: Das Gefühl für die geilsten Jahre lässt sich durchaus jederzeit zurückholen. Auch wenn die Haare langsam grau werden, „han ich doch manchmol dat Jeföhl wie domols“.

Ein Song für seinen Sohn
Seit der Geburt seines Sohnes wird diesem auf jedem Album ein Lied gewidmet. „Nit wigg vum Stamm“ ist ein wunderbares Liebeslied, genau wie die Ballade „Satt vür Jlöck“, ein vertontes Gedicht für seine Frau.
Der Glücksucher hat Glück gefunden – und großartige Zeilen: „Ich lur dich ahn un sicher es, et es dä eetzte Daach em Paradies.“ Natürlich ist auch die Heimatstadt eine Konstante im Leben: Auch wenn man ständig unterwegs und immer auf der Suche ist, gibt das Gefühl zu wissen, wo man herkommt und im- mer wieder hingehört, Sicherheit.
Mit viel Liebe zum Detail
Heuser ist im besten Sinne ein Folkmusiker, neudeutsch würde man Singer-Songwriter sagen. Jedes Stück soll auch ohne die Arrangements für andere Instrumente nur mit der Gitarre um den Hals spielbar sein.
Doch im Studio eröffnen sich andere Möglichkeiten, die Heuser zu nutzen weiß: Von satten Rockgitarren bis zur Ukulele, von Bläsersätzen bis zur röhrenden B3 Hammondorgel – Heusers Songs sind mit viel Liebe zum Detail arrangiert.
Der Kölner Fernsehturm „Colonius“ wird mit einem Reggae gewürdigt, beim Song „Keiner weiß“ schwingen orientalische Grooves mit, und bei der Ballade „Düvel un Engel“ sorgen spanische Gitarrenspielkunst und eine Bluesharp für besondere Akzente.
Gedenken an Hans Süper
Der letzte Song des Albums ist Hans Süper gewidmet. Nach dem Tod des kölschen Originals, großen Clowns und genialen Musikers am 3. Dezember 2022 setzte er eine neue Version – eingespielt in der Nacht nachdem ihn die Todesnachricht des Freundes erreichte – ins Internet.
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Heuser zögerte, das bearbeitete Lied offiziell zu veröffentlichen, weil er nicht den Eindruck erwecken wollte, Süpers Tod für kommerzielle Zwecke nutzen zu wollen. Live gehört „Leeven Häns“ schon lange zum Repertoire, nun bekommt das Lied auch seinen festen Platz als abschließenden Bonus-Track auf dem neuen Album.
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