So liebten die Fans Willy Millowitsch, hier 1969 Foto: IMAGO/KPA
Von unserer Redaktion
Köln – Willy Millowitsch war nicht nur ein Schauspieler, sondern eine Institution – nicht nur in Köln, sondern in ganz Fernsehdeutschland ab den 1950er Jahren. Wie alle erfolgreichen Künstler hatte auch Millowitsch eine andere Seite: Auf der Bühne die gesellige, unverwüstliche rheinische Frohnatur war er privat zurückhaltend und hatte nur wenige enge Freunde. So hoch der Anspruch an sich selbst, so hoch der Anspruch an alle anderen.
Millowitsch Karriere begann eher schwierig. Sein Vater, Peter Wilhelm Millowitsch, glaubte lange nicht an die Talente seines Sohnes. Als Willy einmal für ihn einspringen musste, buhte das Publikum, weil es den beliebten Vater sehen wollte. Schon als kleiner Junge wurde Willy ins Theatergeschäft eingebunden und übernahm Kinderrollen. Mit 13 Jahren verließ er die Schule ohne Abschluss und stürzte sich ganz in die Theaterarbeit. 1923 spielte der vierzehnjährige Willy Millowitsch seine erste große Rolle in dem Schwank „Das goldene Kalb”. Aus dem Schatten seines berühmten Vaters Peter Wilhelm (†65) trat er erst nach dessen Tod 1945.
Auf Wunsch des damaligen Oberbürgermeisters Konrad Adenauer nahm Willy Millowitsch den Theaterbetrieb bereits im Oktober 1945 auf – da lag Köln noch in Trümmern, aber die Leute sollten wieder was zu lachen haben.
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Booking.comGroßes Theater fürs Fernsehen
Im Rheinland längst ein großer Name startete Willy Millowitsch 1953 mit der ersten Live-Übertragung eines Theaterstücks, spätestens da war Millowitsch eine gesetzte Größe in Fernsehdeutschland. Willy wusste, wie er die Herzen des Publikums eroberte, auch wenn er dabei die Sprache anpassen musste: „Kölsch met Knubbele“, also ein verständliches Rheinisch, das in den Wohnzimmern ankam.

Seine Fernsehstücke, oft deftig-zünftige Schwänke, wurden zu Kassenschlagern. Das Theater konnte sich aus den Erlösen über Wasser halten, ohne je öffentliche Subventionen zu benötigen. Auf der Bühne standen neben Willy auch Publikumslieblinge wie Elsa Scholten, Franz Schneider oder Trude Herr, die hier ihre ersten Rollen spielte.
Aber Millowitsch war mehr als nur der Komiker mit der rheinischen Frohnatur. In den späten 1970er Jahren versuchte er sich auch an ernsteren Rollen und überraschte das Publikum in Stücken wie Molières „Der Bürger als Edelmann“. So richtig Anerkennung für diese Seite seiner Kunst bekam er aber erst in den 1990er Jahren als „Kommissar Klefisch“ in der gleichnamigen Krimiserie. Endlich sah man in ihm nicht nur den Spaßmacher, sondern auch einen ernstzunehmenden Schauspieler. Von 1949 bis 1996, bis zu drei Jahre vor seinem Tod drehte Millowitsch mehr als 125 Filme und Serien.
Singen konnte Millowitsch auch noch
Das Multitalent Millowitsch war auch als Sänger ein Erfolgsgarant. Im ersten Jahr seines Plattenvertrag lieferte er seinen größten Hit „Schnaps, das war sein letztes Wort” – fast eine Million mal verkauft. Auch Songs wie „Heidewitzka, Herr Kapitän” (1979) oder „In meiner Badewanne bin ich Kapitän” (1982) Millowitsch gehörte über Jahrzehnte zu den erfolgreichsten Karnevalskünstlern.
Millowitsch wurde zu Lebzeiten mit zahlreichen Ehrungen bedacht, darunter das Bundesverdienstkreuz und die Ehrenbürgerschaft der Stadt Köln. Als einziger Kölner Bürger bekam er 1992 schon zu Lebzeiten ein Denkmal. Die Bronzefigur, die ihn sitzend auf einer Bank zeigt, steht heute auf dem Willy-Millowitsch-Platz in der Kölner City.
Nach außen ein Familienmensch
Privat war Willy Millowitsch nach außen ein Familienmensch – und das zeigte er auch der Presse bei Hausbesuchen gerne. Er lebte bis zu seinem Tod in Köln-Lövenich, oder wie man am Rhein sagt im „Millowitsch-Land”. Das Haus hatte sein Vater damals gebaut. Mit seiner zweiten Frau Gerda bekam Willy Millowitsch vier Kinder, von denen sich Peter und Mariele ebenfalls fürs Schauspiel entschieden.
So fröhlich die Familienidylle nach außen war, so schwierig war es dahinter. In späteren Interviews sagten die Kinder, dass sie ihren Vater kaum gesehen hätten: Millowitsch habe sich gegen die Familie und für die Karriere entschieden. Seine Tochter Mariele, selbst eine bekannte Schauspieler, sagte, dass sie es bis heute nicht ertragen kann, wenn jemand rumbrüllt – ihr Vater sei sehr launisch gewesen. Ein Patriarch, der keinen Widerspruch duldet.
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Booking.comAbschied von dem Theater
Ähnlich wie Willly Millowitsch es seinerzeit selbst erlebt hatte, klagte sein Sohn Peter im Erwachsenenalter darüber, wie sich ihr Verhältnis als Erwachsene verschlechtert habe – dass sein Vater beim Thema Theater nicht loslassen konnte. Nur ein Stück seines Sohnes habe er sich angeguckt, mehr wollte er nicht sehen. Der Sohn bezeichnete ihr Verhältnis auch mal als „zerrüttet”.
Sein Sohn Peter übernahm 1996 das Theater von seinem Vater Willy. Das Millowitsch-Theater gibt es aus wirtschaftlichen und Altersgründen seit 2015 nicht mehr, seitdem firmiert es als Volksbühne am Rudolfplatz.
Beerdigung wie ein Staatsmann
Die Trauer war groß und die Trauer war echt, als Willy Millowitsch am 20. September 1999 im Alter von 90 Jahren im Krankenhaus Hohenlind. Tausende verabschiedeten sich persönlich, als Millowitsch in seinem Millowitsch-Theater aufgebahrt wurde. Die Beisetzung am 25. September 1999 nahm die Ausmaße eines Staatsbegräbnisses an.
Nach einer Trauerfeier im Kölner Rathaus gab es eine Totenmesse im Kölner Dom – die steht sonst nur hohen Würdenträgern zu. Am Ende dieser Totenmesse aber spielte der Organist „Ich bin ene kölsche Jung” in Moll. Der Trauerzug über den Neumarkt, die Aachener Straße runter bis zum Melatenfriedhof wurde vom WDR live übertragen – und mehr als eine halbe Million Menschen schauten zu. Seine Ehefrau Gerade starb fünf Jahre später im Alter von 81 Jahren. Der Millowitsch-Nachlass befindet sich heute in der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Uni Köln.
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