Von unserer Redaktion
Köln – Schon zu Lebzeiten ist Willi Ostermann eine Legende am Rhein. Der Musiker trifft mit seinen Texten und Melodien die kölsche Seele. In 30 Jahren schreibt der Ausnahmekünstler mehr als 200 Lieder. Mehr als zwei Dutzend davon werden noch heute in Köln gesungen.
Was das Kölner Publikum liebt: Ostermann schafft es die kölsche Gesellschaft, das kölsche Milieu in seinen Liedern einzufangen – häufig geht es um heitere Missgeschicke und menschliche Schwächen, aber niemals boshaft oder unter der Gürtellinie. Ostermann schafft es, mit seinen Erzählungen die Identifikation mit der Stadt nachhaltig zu fördern. Dieser Stil prägt bis heute viele Künstler aus Köln.

Die ersten Schritte als Künstler
Ostermann kann keine Noten lesen und schreiben. Er bringt seine Kompositionen singend auf Tonträger oder singt sie einem Notenschreiber vor. Der Karrieresprung kommt im Jahr 1907. WilIi Ostermann erobert den Kölner Karneval. Sein Lied „Däm Schmitz sing Frau es durchjebrannt“ wird zum Triumph in den Sälen. Zu einer Zeit, als hochdeutsche Gassenhauer den rheinischen Karneval erobern, bringt er die kölsche Sprache zurück. Nur ein Jahr später gewinnt er mit “Wä hätt dat vun der Tant gedaach” den ersten Preis für das beste Mundartlied der Kölner Blumenspiele, ein sehr renommierter Künstler-Wettbewerb.
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Booking.comSo liebte und lebte Ostermann privat
Kaum geht die Karriere los, findet Willi Ostermann sein (erstes) privates Glück. 1903 heiratet er die aus Westfalen stammende Katharina Maria Striebeck (1878-1958). Die Ehe hält allerdings nur kurz. Die kurz darauf folgende Scheidung gilt damals im katholischen Köln noch als skandalös.
Über seinen Freund, den kölschen Kapellmeister Emil Palm (1890-1960) lernt er dessen Schwester, eine Revue-Tänzerin kennen. Katharina „Käte“ Palm (1884-1959) wird 1911 seine zweite Frau. Ihre Familie ist alteingesessen in Köln: Der legendäre Straßenmusiker „Urjels-Palm“ (Johann Joseph Palm, *1801-†1882) ist ihr Ur-Großvater. Als Willi und seine Käthe im Januar 1936 silberne Hochzeit feiern, ist der Neumarkt vor ihrem Haus voll von Menschen, die ihnen ein Ständchen bringen.
Eine große Leidenschaft von Willi Ostermann sind Pferde- und Radrennen – und die Wetten darauf. Er ist nicht nur regelmäßig auf der Rennbahn in Weidenpesch, sondern schaut auch die Radrennen in der Rheinlandhalle in Ehrenfeld. Als einer der wenigen Künstler beweist Ostermann ein ausgeprägtes unternehmerisches Geschick. Bereits im Jahr 1910 gründet er einen eigenen Verlag. Aufgrund seiner ausgeprägten Wett-Leidenschaften erschließt er weitere Einnahme-Quellen. In den 1920ern erweitert er sein Repertoire um hochdeutsche Lieder erweitert, oft als Waltzer oder Marschlied. Ostermann besingt vor allem die Schönheiten des Rheinlandes. Schallplattenaufnahmen und Rundfunkübertragungen machen Ostermann deutschlandweit und sogar darüber hinaus bekannt.
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Booking.comSein letztes Mal auf der Bühne
Sein letztes Mal auf der Bühne erlebt Willi Ostermann außerhalb von Köln. Im Juli 1936 bricht Ostermann nach einem Auftritt im Kurhaus von Bad Neuenahr zusammen. Er wird im Rettungswagen nach Köln in die Lindenburg gefahren, der Vorgängerin der Uni-Klinik.
In seinen Biografien wird von einer Magen-OP berichtet. Hinter vorgehaltener Hand wird damals in Köln getuschelt, dass Ostermann aufgrund seines Alkoholkonsums an einer Leberzirrhose gelitten habe. Sein Zustand im Krankenhaus bessert sich nicht. Ostermann ist sich zu der Zeit dem Ernst der Lage vollauf bewusst. In den letzten Tagen vor seinem Tod dichtet er sein letztes Lied. Der Titel „Heimweh nach Köln“, mit dem Refrain „Ich mööch zo Fooß noh Kölle jonn“ nach seinem Tod veröffentlicht wird.
Willi Ostermann stirbt am 6. August 1936 in der Lindenburg. Seine Beisetzung wird zu einem Großereignis in Köln. Zunächst wird der Leichnam in der Wohnung am Neumarkt 33 aufgebahrt. Der Trauerzug zum Melaten-Friedhof soll von 35.000 Menschen begleitet worden sein.
zuerst veröffentlich am 29. Juni 2023, aktualisiert am 24. Januar 2024
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