KÖLNS KULTSAAL – Das Sartory glänzt jetzt wieder wie früher in der Friesenstraße

Von HONG KAYSER (Text & Fotos)

Köln – In nur drei Monaten wurde das Sartory einmal auf links gedreht: Nachdem der Kölner Kultsaal in der Friesenstraße zuletzt ziemlich in die Jahre gekommen war, strahlt er jetzt in neuem Glanz. Und sieht doch aus wie vorher. Was bisher keiner wusste: Die Stahlträger im Sartory wurden mal von den Briten geklaut.

Der Boden ist jetzt wieder aus Eichenholz, wie zu Anfangszeiten. 1000 Quadratmeter Boden wurden in der kurzen Zeit verlegt. die Wandpaneele, Holz- und Marmortreppen gerichtet, neuer Teppich ausgerollt. Marcus Sartory präsentierte der Öffentlichkeit das neue alte Sartory. Wie früher, aber in neu und mit moderner Technik.

Bauzeit: Sechs Monate

“Mein Großvater hat damals im März 1948 den Bauantrag beim Britischen Militärkonsulat gestellt, die erste Veranstaltung hat hier im November 1948 stattgefunden. Die haben nur sechs Monate gebraucht, um zwei Säle fertig zu stellen. Da können sich die Leute heute mal ein Beispiel dran nehmen”, erzählte Markus Sartory bei der Präsentation der Renovierung lachend.

1948 herrschte totaler Materialmangel, nur Bauschutt und Arbeiter gab es damals genug. Am Ende fehlten zwei große Stahlträger zur Fertigstellung des Baus, so erzählte Sartory: In der Nähe gab es aber ein Metalllager der britischen Regierung. Nachts wurden zwei Stahlträger per Hand auf einem Gemüsekarren rübergezogen.

Der neue alte Saal im Video

Stahl von den Briten geklaut

Bevor es am nächsten Morgen mit dem Bau weiter ging, stand die Polizei vor der Baustelle. Die Stahlträger wurden wieder abtransportiert, so die Erzählung. Als der Beton schon angerührt war, zogen die Arbeiter wieder los und klauten die Stahlträger. Als die Polizei am nächsten Morgen wieder kam, waren sie schon einbetoniert. Eine kölsche Lösung.

Gastronom Carl Sartory sen. lässt auf dem Trümmern des Varietés „Groß-Köln“ ein Fest­haus bauen. Hier gab es schon in den 1930er Jahren große Karnevals­re­vuen mit Stars wie Willi Ostermann, aber auch die Comedian Harmonists traten hier auf. Das neue Gebäude wird geplant von Wilhelm Riphahn, dem berühmten Kölner Architekten, der auch für die Bastei und das British Council entworfen hat.

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Foto: magann/Getty Images via canva.com

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