DUMMSE TÜNN (†86) – So wird der “König der Kölner Unterwelt” beerdigt

Fotos: Andrea Matzker

Von ANDREA MATZKER & DR. EGON SCHLESINGER

Köln – Die Regentropfen verhindern, dass man die Tränen bei Kölns alten Milieugrößen sieht. Auf dem Friedhof in Köln-Rath wird am Mittwoch der “König der Kölner Unterwelt” verabschiedet. Anton Dumm alias “Dummse Tünn” ist am 25. Februar im Alter von 86 Jahren gestorben.

Eine Beerdigungszeremonie, die nicht nur die Angehörigen zu Tränen rührt. Die Trauerhalle ist zu klein für die mehr als 150 Menschen, die gekommen sind. Darunter auch frühere Milieugrößen wie der “Lange Tünn” alias Anton Claaßen, der sichtlich sichtlich mit der Fassung kämpft: “Er war ein super Jung. Er war mein Vorbild.”

Beerdigung Dummse Tünn alias Anton Dumm Foto Andrea Matziker
Anton Dumm arbeitete in jungen Jahren als Berufsboxer

“Recht auf würdevolle Verabschiedung”

“Wenn es dich noch gibt, sag, wo ich dich finde” singt Roger Whittaker im Lied zu Beginn der Trauerzeremonie. “Sprecht von ihm, denkt an ihn, empört euch und lacht, so bleibt er am Leben. Denn jeder Mensch hat das Recht auf eine würdevolle Verabschiedung”, sagt der Trauerredner in seiner Ansprache.

Der Redner macht aus Anton Dumm keinen Heiligen, sondern spricht Klartext op Kölsch: Wenn alle vom Dummse Tünn gebrochenen Nasen leuchten würden, wäre Köln ein ganzes Stück heller. Das hätte dem Verstorbenen vermutlich gefallen.

Beerdigung Dummse Tünn alias Anton Dumm Foto Andrea Matziker
Eine Abordnung der “HAMC Rhine City”-Rocker trägt den Sarg
Fotos: Andrea Matzker

Am Ende soll der Sarg eigentlich zu “Niemals geht man so ganz” von Trude Herr rausgetragen werden. Statt dessen läuft erstmal “Mit Tränen in den Augen ist man blind” von Julio Iglesias. Das Lied passt zur Szenerie. Ein Abschied für immer lässt auch alte Milieugrößen nicht kalt, die Familie sowieso nicht.

Eine Abordnung einer Kölner Rocker-Gruppierung geht mit dem Sarg voran: Wenn der “König der Kölner Unterwelt” geht, ist es eben doch ein bisschen anders als bei einer normalen Beisetzung.

Beerdigung Dummse Tünn alias Anton Dumm Foto Andrea Matziker
Sohn Frank Jaulus nimmt bewegt Kondolenzwünsche entgegen

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Der Lange Tünn über Dummse Tünn

Er lernte mal Rohrverleger

Gelernt hatte Anton Dumm mal Rohrverleger, dann war er Berufsboxer. In seinen Zwanzigern arbeitete er sich im Milieu hoch, wurde ein brutaler Krimineller, Kölns “Ludenkönig”. Seine Fäuste waren gefürchtet, von Mann und Frau. Zeugen schwiegen, Opfer erinnerten sich nicht mehr.

Selbst die Polizei hatte Angst vor ihm und ließ ihn selbst ohne Führerschein in den fettesten Karren durch die City cruisen. “König der Kölner Unterwelt” nannte ihn der Kölner Stadtanzeiger damals.

Beerdigung Dummse Tünn alias Anton Dumm
In der Trauerhalle erinnert dieses Foto an seine Passion für Pferde

Nach Knast-Aufenthalten und dem Ende der “Goldenen Jahre” in Köln wurde Anton Dumm Personenschützer, bewachte unter anderem den damaligen deutschen Superstar Romy Schneider (†43, “Sissi”). Danach führte er einen Pferdehof in Rath. Sowieso waren Pferde und Reitsport seine Leidenschaft. Sein Sohn Frank Jaulus startete in jungen Jahren als Jockey.

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“Einer der stärksten Männer von Kölle”

Beerdigung Dummse Tünn alias Anton Dumm Foto Andrea Matziker
Anton Claaßen alias “Lange Tünn” emotional am Grab seines früheren Vorbildes

Seine Gefährten von damals lassen heute nichts auf ihn kommen: “Er war einer der nettesten Männer, die ich kenne und einer der stärksten – von ganz Kölle. Die Beerdigung, die hat er natürlich verdient”, sagt der Lange Tünn. Privat scheint Anton Dumm offensichtlich ein anderer gewesen zu sein. Die Trauer der Familie und Freunden ist spürbar

Am Ende geht Anton Dumm mit dem würdevollen Abschied, den sich seine Familie privat für ihn gewünscht hat. Von der voraus gegangenen Eskalation mit einem anderen Bestatter, bei der auch eine Heugabel eine Rolle gespielt haben soll, spricht heute keiner mehr. Der “König der Kölner Unterwelt” hat seine letzte Reise angetreten.

Die Eskalation vor der Beerdigung

Da Anton Dumm alias Dummse Tünn eine stadtbekannte Persönlichkeit war, haben auch wir über seine Beerdigung berichtet. Bevor es zur Beisetzung kam, hatte es einen beispiellosen Zoff inklusive Handgreiflichkeiten mit dem ursprünglich geplanten Bestatter gegeben. Bundesweit wurde darüber berichtet. Wie es zu dem Vorfall kam, hier unsere Beiträge:

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