Zarte Liebe in der Lindenstraße: die Schauspieler Georg Uecker und Martin Armkneckt
Von unserer Redaktion
Köln – Ehebruch, Homosexualität, Aids, Rassismus: Diese deutsche Serie bricht quasi jedes Tabu im Fernsehen. Mehr als 30 Jahre lang flimmert die Lindenstraße sonntags in deutsche Wohnzimmer. Am 29. März 2020 fällt die letzte Klappe in Köln.
- Der größte Tabubruch: Der erste Männerkuss im TV
- Jeden Montag Gesprächsthema im Büro
- Das Ende einer TV-Legende
- Rückblick: So wird Deutschland bewegt
- Bis 2035 gibt es die “Lindenstraße” zum Streamen
Jeden Montag Gesprächsthema
Die Lindenstraße ist zu ihrer besten Zeit jede Woche Gesprächsthema. Was die ARD sonntags ausstrahlt, wird montags im Büro besprochen. Erfinder und Produzent Hans W. Geißendörfer schafft das erste Unterhaltungsformat mit Bildungsauftrag. Eine Serie als Teil des Alltags der Zuschauer*innen. Dabei ist das Publikum nach der ersten Folge geschockt: Das Ende der Episode bleibt offen, man muss bis nächste Woche warten. Das ist NEU in Deutschland! Bis Anfang der 90er schauten mehr als 10 Millionen Menschen regelmäßig die “Lindenstraße”.

Foto: WDR

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Der erste Männerkuss im TV
Der erste Männerkuss der deutschen Fernsehgeschichte dauert keine zwei Sekunden, aber das Land ist in Wallung. Der Niedergang der Kultur, die vermeintliche „Homoxsexualisierung” der Kinder – konservative bis reaktionäre Kritiker fürchten den Untergang der deutschen Gesellschaft.
Die beiden Kuss-Darsteller Georg Uecker („Dr. Carsten Flöter”, heute 58) und Martin Armknecht („Robert Engel”, heute 59) werden auf der Straße bedroht und beschimpft. Sogar so schlimm, dass zeitweilig Bodyguards auf die Künstler aufpassen müssen. Schlimmste Beschimpfungen und Beleidigungen, Mord- und Bombendrohungen gehen bei der Produktion ein. Tatsächlich ist es aber gar nicht der erste Männerkuss im Fernsehen. Schon 1985 geben sich Männer bei „Kein schöner Land” im WDR ein Küsschen.

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Das Ende
Die ARD-Fernsehprogrammkonferenz entscheidet sich 2018 gegen eine Verlängerung des Produktionsvertrags für die „Lindenstraße”. Begründung: Das gesunkene Interesse des Publikums und Sparzwänge seien nicht vereinbar mit den Produktionskosten. Die Veränderung der Fernsehlandschaft, das immer größere Angebot führt zu konstant rückläufigen Einschaltquoten über die Jahre geführt. Sind Tabu-Brüche früher noch ein Skandal im deutschen TV, gehören sie heute zu jeder “Mitten im Leben”-Folge.

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Ein Aufschrei bei Fans, ein Aufschrei am Set. Serienvater Hans W. Geißendörfer äußert bis heute „totales Unverständnis für die Entscheidung, die mir willkürlich erscheint”. Bei der letzten Folge am 29. März 2020 erzielte die Serie mit 4,09 Millionen Zuschauer*innen ihre beste Einschaltquote seit Januar 2011. Davor erreicht die Lindenstraße im Schnitt um die zwei Millionen Menschen. Bezeichnender Titel der letzten Folge: „Auf Wiedersehen”.
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