Volkhoven: Der erste Amoklauf an einer deutschen Schule // True Crime Köln

Hier werden die ersten Opfer des Attentäters aus dem Krankenhaus entlassen Foto: Imago

Von unserer Redaktion

Köln – Am 11. Juni 1964 erschütterte ein grausames Verbrechen den Kölner Stadtteil Volkhoven. Was als normaler Schultag in der katholischen Volksschule begann, endete in einem furchtbaren Albtraum. Der erste Schulamoklauf Deutschlands. Der 42-jährige Frührentner Walter Seifert stürmte mit einem selbstgebauten Flammenwerfer und einer Lanze das Schulgelände. Der geistig verwirrte Mann tötete acht Kinder und zwei Lehrerinnen und verletzte 20 weitere Personen schwer. Das Motiv ist bis heute unklar.

Der Tathergang: psychisch krank!

Seifert, ein psychisch kranker Mann, der in der Nähe der Schule wohnte, betrat an diesem Morgen gegen 9:10 Uhr den Schulhof. Gekleidet in einen blauen Arbeitsanzug und mit einer Gartenspritze auf dem Rücken, hielt man ihn zunächst für einen harmlosen Handwerker. Doch plötzlich zündete er seinen Flammenwerfer und richtete eine Stichflamme auf die Kinder und ihre Lehrerin Anna Langohr, die sich schützend vor die Schüler stellte. Seifert schoss die Flammen in die Klassenräume, wobei zahlreiche Kinder schwerste Verbrennungen erlitten. Panisch versuchten die Schüler zu fliehen, doch viele gerieten erneut in die Flammen.

Seifert setzte seinen Amoklauf fort, indem er die Türen zu den Klassenräumen aufbrach und gezielt mit seiner Lanze zuschlug. Die Lehrerinnen Ursula Kuhr und Gertrud Bollenrath versuchten, Seifert zu stoppen, doch beide wurden tödlich verletzt. Während Kuhr noch am Tatort verstarb, erlag Bollenrath ihren Verletzungen wenig später im Krankenhaus.

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Die Opfer: Acht Kinder sterben

Die Brutalität der Tat machte selbst hartgesottene Einsatzkräfte fassungslos. Acht Kinder im Alter zwischen 9 und 12 Jahren—Dorothea Binner, Renate Fühlen, Ingeborg Hahn, Ruth Hoffmann, Klara Kröger, Stefan Lischka, Karin Reinhold und Rosel Röhrig—verloren ihr Leben. Sie wurden in einer gemeinsamen Grabstätte auf dem Friedhof von Volkhoven-Weiler beigesetzt. Die Gedenkstätte, bestehend aus acht schlichten Kreuzen und einer symbolträchtigen Stele, erinnert bis heute an die unschuldigen Opfer. Auch die Lehrerinnen Ursula Kuhr und Gertrud Bollenrath wurden in Köln auf Friedhöfen bei ihren Familien bestattet.

Amokläufer trinkt Pflanzenschutzmittel

Nach dem Amoklauf nahm Seifert das Pflanzenschutzmittel E605 zu sich und floh mit der Lanze über ein freies Feld in Richtung eines nahegelegenen Bahndamms. Die Polizei verfolgte ihn und stellte ihn schließlich auf dem Bahndamm, wo Seifert sich trotz seiner Vergiftung noch mit der Lanze zur Wehr setzte. Ein gezielter Schuss ins Bein setzte ihn außer Gefecht, doch Seifert erlag kurz darauf der Vergiftung. In einem letzten, zusammenhangslosen Geständnis beschuldigte er verschiedene Ärzte und Institutionen, ohne klarzumachen, warum er die unschuldigen Kinder angegriffen hatte.

Ein Verbrechen ohne Motiv

Obwohl Seifert bekannt war, psychische Probleme zu haben, blieb das genaue Motiv seiner Tat unklar. Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1961, die an Komplikationen bei einer Frühgeburt starb, zog er sich immer mehr zurück und pflegte paranoide Feindbilder gegen Behörden und Ärzte. In der Nachbarschaft galt er als Sonderling, der sich in Streitereien mit Anwohnern und Bauarbeitern verstrickte. Doch konkrete Warnzeichen oder direkte Drohungen vor dem Amoklauf gab es nicht.

Die Ermittlungen ergaben, dass Seifert seine Tat akribisch vorbereitet hatte. Er baute seine Waffen selbst, darunter den Flammenwerfer, den er aus einer Gartenspritze umfunktionierte, und eine Lanze, die aus einem Dreikantschaber gefertigt war. Die brennbare Flüssigkeit für den Flammenwerfer war eine Mischung aus Motoröl, Lackverdünner und Toluol—eine tödliche Kombination, die seine Tat so verheerend machte.

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Nachwirkungen bis heute

Das Attentat von Volkhoven hinterließ eine traumatisierte Stadt. In den Wochen nach der Tat kämpften die überlebenden Kinder und Lehrerinnen in verschiedenen Krankenhäusern um ihr Leben. Viele mussten monatelang behandelt werden, erlitten zahlreiche Operationen und tragen bis heute körperliche und seelische Narben. Die Stadt Köln übernahm sämtliche Behandlungskosten und richtete Spendenaufrufe ein, um die betroffenen Familien zu unterstützen.

Die katholische Volksschule wurde nach dem Attentat geschlossen, die Baracken abgerissen. Ein Neubau wurde im benachbarten Heimersdorf errichtet und erhielt den Namen Ursula-Kuhr-Schule, zu Ehren der getöteten Lehrerin. In der benachbarten Kirche St. Cosmas und Damian erinnert ein buntes Glasfenster mit den Namen aller Opfer an die Tragödie.

Jahrzehnte später ist die schreckliche Erinnerung bei Überlebenden lebendig. Zum 60. Jahrestag fand im Juni 2024 eine Gedenkfeier statt, bei der der Opfer gedacht wurde.

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