Das Gaffel am Dom am Hauptbahnhof Foto: Gaffel/Valery Cloubert
Von unserer Redaktion
Köln – Für Kölsch gibt es nicht DIE Regeln. Es ist vor allem eine gesprochene – und natürlich gesungene -Sprache. Die lebenden und verstorbenen Kölsch-Sprachwissenschaftler vertreten zum Teil unterschiedliche Ansichten über manche Schreibweisen.

“Ab noh Huss!”
„Komm, der Pegel ist erreicht, bezahlen wir den Deckel“. Aufbruch-Ansage am Ende eines Kneipenabends. Wörtlich: „ab nach Hause“.
Aussprache: noh mit langem “o” wie “Oper”; Huss wie “Kuss”
“Driss”, „dat is doch Driss“
Unsinn, Mist, Scheiße (in charmant). Im Kontext: „drieß op d’r Driss „(scheiß’ auf den Scheiß), universell anwendbar.
Aussprache: Driss mit kurzem “i”, wie in “Schiss”; drieß mit langem “i” wie in “Tier”
“Funz“
Ein leider beliebtes Schimpfwort (reimt sich auf Rotze). Und NEIN: Es ist nicht nett-charmant gemeint. Wörtlich übersetzt: „Vulva“.
Aussprache: kurzes “u” wie in “Kunst”
“Halver Hahn”
Gibt’s in jeder Standard-Bäckerei und -Metzgerei. Beliebtes Touri-Fotomotiv in Kölner Brauhäuser. Was sich wie ein „halber Hahn“ anhört, ist ein halbes Roggenbrötchen mit einer dicken Scheibe mittel-altem Gouda, scharfem Senf, saurer Gurke (ganz klassisch auch mit rohen Zwiebelringen).
FluCHzeuSCHträJer = Flugzeugträger
Der Buchstabe “G” wird “ch”, “sch” oder “j” ausgesprochen.
“Hörens…!”
„Hör mal (bitte)“, „hören Sie mal (bitte)“. Ob an der Theke, in der Bahn oder auf der Straße.
“Jangk ens drieße…!”
Hört man relativ oft. Ob irgendwo in der Bahn, in der Schlange, oder bei irgendeiner Diskussion. Wörtlich: „geh mal scheißen“, gemeint als „kannst abhauen“ oder in einer Diskussion „ach, was fürn Scheiß, hör auf“.
“jeck”, „Du Jeck!“, „Bist du jeck?“
In diesem Zusammenhang so viel wie: „du Doof“ oder „bist du doof?“ oder (je nach Intonation) „bist du crazy!”. Das Wort „jeck“ kommt eigentlich aus dem Karneval und bedeutet, karnevalistisch lustig, also närrisch sein.

“Klüngel“
Dieses Wort ist republikweit verschrieen, dabei bedeutet „Klüngeln“ streng genommen erst einmal nur „Netzwerken“. Man kennt sich, man hilft sich – in positiver Weise. Missbraucht, steht’s für Bestechung, Posten-Schacherei und mehr.
Die erste Silbe wird in der Regel mindestens doppelt so lang gezogen wie allgemein üblich.
“NOCH KEIN LOSS NOH HUS ZE JONN” – beliebtes Ende-des-Kneipenabends-Lied der Paveier, geht auch mit 1,5 Promille (hier der Link zum Reinhören, Refrain ab Sekunde 53).
Anzeige
“Köbes“
Der klassische Köbes ist ein Mann, der im Brauhaus als Bedienung arbeitet. Legendär, was die große Kölsch Schnauze anging (bestellte man sich ein Wasser, gibt’s „willste Seife dazu?“ als Antwort). In vielen Lokalen mittlerweile eingehöflicht. Ansonsten nix für ganz Bitte-Danke-Dürfte-ich-mal-Freund*innen. Man erkennt den Köbes übrigens an der traditionell blauen, langen Schürze.
“Kölsch“
Das Wort Kölsch hat gleich zwei Bedeutungen. 1. Die Mundart der Stadt, die kölsche Sprache und, nicht weniger bedeutend: 2. das Bier der Stadt, das helle Obergärige.
“Liebchen” (gesprochen Liebschen), “Liebelein“
Als Anrede für sympathische Fremde, verwendet vor allem von älteren Kölschen. Kann verkürzt auch bedeuten: „Was kann ich für Sie/Dich tun?“, „was möchten Sie/was möchtest du?“
Bei PF wird das P meist gesprochen.
Kopf = Kopp, Zopf = Zopp, Pferd = Pääd, hüpfen = höppe, Pflaume = Prum

“Luurens!”
„Guck mal (bitte)“, „gucken Sie mal (bitte)“. Hällööööööchen, schau doch mal.
“müffele”, „jet zo müffele“
Etwas essen, etwas (mit Vergnügen) knabbern
“Näää…”, “Nä!”, “Nä?”
Kann man in Köln quasi immer sagen. Als Ausdruck der Überraschung (mit extra vielen „ä“): „Näääääää???“ Als Ausdruck der Abneigung: „Nä!“ Als Ausdruck der Freude, zum Beispiel bei einer Spontan-Begegnung (mit breitem Lächeln im Gesicht): „Näää…“
B wird als V gesprochen
bis auf ein paar vereinzelte Ausnahmen wird das “b” im Inlaut als “v” gesprochen: bleiben >>> blieve, Graben >>> Grave

Foto: S.K.
“Pänz”
Kinder, im Singular “Panz“
“Session“
Die Session ist die jeweilige Karnevalssaison. Die Session beginnt jeweils am 11.11. eines Jahres. Eine Session endet an Aschermittwoch. Für Hardcore-Kölsche teilt sich das Jahr quasi folgendermaßen auf: in den Teil vor der Session, die Session und den Part nach der Session. Repeat.
“Stänz”, „boah, du Stänz”
Wörtlich übersetzt: Zuhälter. Mittlerweile vor allem verwendet, wenn sich ein Typ herausgeputzt hat, ‘ne dicke Karre oder ein fettes Moped hat. Anerkennend-neckend, manchmal auch leicht verächtlich im Sinne von Angeber gemeint.
“usselig”
Das Wetter ist heute so richtig „usselig“, also nasskalt. Man kann sich aber auch „so richtig usselig“ fühlen. Nicht näher definierbar mies halt.
“Veedel“
Ein Viertel der Stadt. Köln hat offiziell 86 Veedel. Im Alltagsgebrauch teilen sich die vier offiziellen Innenstadtviertel (Neustadt-Nord & Süd, Altstadt-Nord & Süd) aber tatsächlich in dutzende weitere Viertel auf. Tatsächlich sagt kein Mensch „Neustadt“ in Köln. In der sogenannten Neustadt-Nord gibt es z. B. das Belgische Viertel, das Quartier Latäng, das Friesenviertel und mehr.
“Zick“, „keen Zick“, „ich han keen Zick“
Kürzeste Antwort auf alle Fragen: „keine Zeit (gerade)“, alternativ: „ich habe keine Zeit“
Anzeige

Foto: S.K.
Anzeige
Booking.comMehr Geschichten aus Köln
zuerst veröffentlicht am 19.5.21
Quelle: das Leben im Allgemeinen und Speziellen +++