Eskalation an Karneval: „De kölsche Fledermaus” auf Höhenflug

In einem verrückten Kölner Nachtclub tanzt das Ballett einen wilden Charleston Foto: Roland Breitschuh

Von HONG KAYSER

Köln – Von 0 auf 100 in 1 Sekunde: Die neueste Inszenierung der Cäcilia Wolkenburg ist von Anfang an feinste Unterhaltung op Kölsch. Mit „De kölsche Fledermaus“ taucht das Publikum für drei Stunden in eine temporeiche und humorvolle Adaption des Operettenklassikers ein. Ein Mix aus Evergreens, kölschen Hits und überraschenden Songs sorgt für die einzigartige Atmosphäre, warum Köln sein Divertissementchen so liebt.

Die Euphorie im Saal ist ansteckend. Besonders stark ist der Applaus, als betont wird: Konfetti gibt es in allen Farben, nur nicht in Braun. Das Setting der Inszenierung führt ins Köln der 1920er Jahre, eine Ära des Wandels und der Gegensätze – wirtschaftliche Unsicherheit auf der einen Seite, unbändiger Lebenshunger auf der anderen. Das Publikum erkennt viele Parallelen zur Gegenwart.

Was ist das Divertissementchen? Seit 1874 bringt die Bühnenspielgemeinschaft „Cäcilia Wolkenburg“ des Kölner Männer-Gesang-Vereins jedes Jahr ein Musical, genannt Divertissementchen* auf die Bühne. Die gesamte Inszenierung ist auf Kölsch, und traditionell werden alle Rollen – auch die weiblichen – von Männern gespielt. Das Stück wird jedes Jahr neu inszeniert, mit einer eigenen Geschichte und einer einzigartigen Mischung aus Solisten, Chor, Live-Orchester und Band. Bekannt als „et Zillche“, ist es fester Bestandteil des kölschen Kulturlebens und ein Highlight im Karnevalskalender.

*hochdeutsch: parodistisches Zwischenspiel

Fotos: Stefanie Althoff

Tom Grasshofs Bühnenbild und die fantasievollen Kostüme von Judith Peters lassen die Goldenen Zwanziger lebendig werden. Die Bühnenspielgemeinschaft des Kölner Männer-Gesang-Vereins zeigt wieder, wie klassische Stoffe an kölsche Gepflogenheiten angepasst werden können.

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Von Wien nach Köln – eine kölsche Fledermaus

Die Vorlage stammt aus der Feder von Johann Strauss jun., dessen Operette „Die Fledermaus“ 1874 in Wien uraufgeführt wurde. Interessanterweise wurde im selben Jahr die Bühnenspielgemeinschaft Cäcilia Wolkenburg gegründet. Auch historisch gibt es enge Bezüge zur Domstadt: Richard Genée, der das Libretto mitverfasste, wirkte ab 1854 als Kapellmeister in Köln. Und Strauss selbst ließ sich von Jacques Offenbach inspirieren, dem berühmten kölschen Sohn, der die Wiener Operette maßgeblich beeinflusste.

Verwirrung und Vergnügen

Die kölsche Version der Operette beginnt mit einem skurrilen Missverständnis: Prinz Karneval, verkleidet als Fledermaus, gerät am Rheinufer in eine turbulente Verwechslungskomödie. Autor und Regisseur Lajos Wenzel hat die Neuinszenierung zum 200. Geburtstag von Johann Strauss Sohn mit viel Witz und Tempo arrangiert. Der musikalische Drive kommt von den Bergischen Sinfonikern und den Westwood Slickers unter der Leitung von Bernhard Steiner. Hinzu kommt das LEGENDÄRE Männerballett, das den Saal zum Toben bringt.

Im Mittelpunkt steht Mätes I. (Rainer Wittig), der als Karnevalsprinz in eine folgenschwere Intrige verwickelt wird. Sein Freund Anton Adler (Jürgen Nimptsch) überredet ihn, es vor der geplanten Hochzeit noch mal krachen zu lassen. Weil Alkohol vor den Auftritten verboten ist, verkleidet sich der Karnevalsprinz als Fledermaus. Nach einer sehr feuchtfröhlichen Nacht wacht Mätes verkatert auf einer Parkbank auf – und findet sich als Titelstory einer Lokalzeitung wieder. Seine Verlobte Marie (Markus Becher) verlässt ihn, und sein Freund Adler scheint ihn betrogen zu haben. Die Rachepläne des Prinzen nehmen Fahrt auf – doch die kölschen Frauen sorgen für eine kölsche Lösung mit Herz und Humor.

Hier gibt es mehr Infos

  • Bis zum 4. März läuft die „Fledermaus durchs Staatenhaus”.
  • Vom 18. Januar bis 17. Februar gibt es das Stück „E Levve för Kölle“, eine Hommage an Kölns ehemaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer.
  • Karten und Infos: www.infoservice.divertissementchen.de.

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