Gegen 12 Uhr unter der Brücke in der Zülpicher Straße: The Place to Be
Von HONG KAYSER, STEPHANIE KAYSER & ROULA NANI (Text & Fotos)
Köln – Die vermutlich nasseste Weiberfastnacht aller Zeiten. Während Köln in den Straßenkarneval startet, dreht der Himmel den Wasserschlauch auf. Wenn man das Positive sieht: Diesmal sind vor allem die Menschen unterwegs, die richtig Bock auf Karneval haben. Egal ob mit oder ohne trockenen Füßen.
- So läuft es an der Zülpicher Straße
- Der Startschuss in der Altstadt
- Die erste Bilanz der Stadt Köln
- Die erste Bilanz der Kölner Polizei
So geht’s an der Zülpicher los










Sonst bekannt für Massenandrang und Chaos verläuft der Start in den Straßenkarneval in Kwartier Latäng geradezu vorbildlich. The Place to be für 16- bis 20-Jährige, die unter freiem Himmel mit ihren Cliquen cruisen. Damit es gar nicht erst zu Stau kommt, hatte die Stadt Köln zwei große Ausweichflächen auf den Uni Wiesen eingerichtet, außerdem das erste Mal dazu noch eine Partyfläche am Ring.
Es kommt ja immer anders als man denkt: Auch mangels Regen bleibt der große Andrang aus, im Kwartier Latäng werden die Brücken zum beliebtesten Treffpunkt im Dauer-Regen. A capella-Gesänge, Karnevalshits aus kleinen Boxen, die Stimmung ist gut. Auch wenn die Füße nass sind.
Stöhnt die Gastronomie sonst immer über leere Lokale, weil alle lieber draußen feiern, gibt es heute vor den meisten Läden in der Zülpicher lange Warteschlangen. Am 11.11 musste die Zülpicher bereits um 9.30 Uhr wegen Überfüllung abgeriegelt werden. Davon ist heute überhaupt keine Rede. Schöner für alle. Die, die feiern wollen – und die, die für Ordnung sorgen müssen.
11.11 Uhr auf der Zülpicher
Der Startschuss in der Altstadt




Den 10.000 Jecken auf dem Alter Markt macht der Regen nicht viel aus. Die meisten sind Stammgäste und sind für alle Eventualitäten ausgestattet. Die Altstädter weihen zusammen mit dem sensationellen Kölner Dreigestirn – der Familie Klupsch – und OB Henriette Reker offiziell in den Straßenkarneval in Köln.
Auf der Zielgeraden werden die Auftritte für das Kölner Dreigestirn immer emotionaler. Ihre Uhr ticket – an Aschermittwoch ist bekanntlich alles vorbei. Absoluter Gänsehaut-Moment, als Prinz, Bauer und Jungfrau mit ihrem jecken Volk “Veedel” von den Fööss singen.
11.11 Uhr auf dem Alter Markt
Die erste Bilanz der Stadt Köln
Seit 5.45 Uhr ist der Ordnungs- und Verkehrsdienst der Stadt Köln im Dienst, insgesamt 200 Mitarbeiter/innen. Rund 1.000 Kräfte eines privaten Sicherheitsunternehmens überwachen die Eingänge ins Zülpicher Viertel und die Zugänge zur Ausweichfläche auf der Uniwiese sowie die Einhaltung des Glasverbots an den Kontrollstellen der Verbotszonen in der Altstadt und im Zülpicher Viertel.
Im Koordinierungsstab arbeiten seit 8 Uhr und ebenfalls bis in die Nacht unter Leitung des Ordnungsamtes Vertreter/innen aller beteiligten städtischen Dienststellen, der Landes- und der Bundespolizei, der Hilfsorganisationen, der Kölner Verkehrs-Betriebe, der Deutschen Bahn, des Veranstalters der Veranstaltungsfläche Hohenstaufenring und des beauftragten Sicherheitsunternehmens. Dieses Gremium bewertet die aktuelle Lage ständig neu, trifft erforderliche Entscheidungen und sorgt für eine rasche Umsetzung.
Einsätze des Ordnungsamtes
Das Ordnungsamt kontrollierte die Eingänge ins Zülpicher Viertel, die Einhaltung des Glasverbots und legte einen besonderen Fokus auf Jugendschutzkontrollen. Darüber hinaus überprüften die Mitarbeiter*innen des Ordnungsamtes die Dokumente des gesamten Sicherheitspersonals. 54 Personen wurden aus verschiedenen Gründen abgelehnt, zum Beispiel, weil Dokumente nicht vorhanden oder unvollständig waren.
+++ Wildpinkler
Obwohl in den Hotspots von der Stadt Köln rund 1.000 mobile Toiletten (250 mehr als am 11.11., davon 150 mehr im Zülpicher Viertel) aufgestellt worden waren, wurden einige Verstöße festgestellt: im Zülpicher Viertel waren es 72 Wildpinkler, in der Altstadt sechs. Sie alle erwartet ein Bußgeld in Höhe von bis zu 200 Euro, zuzüglich Gebühren.
+++ Spaß ohne Glas
Im Rahmen der Aktion „Mehr Spaß ohne Glas“ wurde an 23 Kontrollstellen in der Altstadt und acht im Zülpicher Viertel dafür gesorgt, dass von den Jecken mitgebrachtes Glas in die bereitgestellten Container entsorgt wurde und gar nicht erst in die Feierbereiche gelangte. In der Altstadt wurde in Zusammenarbeit mit den örtlichen Gastwirten und dem Veranstalter erneut das bereits praktizierte Pfandsystem für Mehrwegbecher eingesetzt.
Für die Südstadt wurde um den Severinskirchplatz und Chlodwigplatz wieder eine freiwillige Glasabgabezone eingerichtet.
+++ Jugendschutz
In der Altstadt führte das Ordnungsamt im Rahmen des Jugendschutzes 28 Präventivgespräche. Bei sechs Jugendlichen wurden alkoholische Getränke sichergestellt. Im Zülpicher Viertel waren es 158 Gespräche. Im Anschluss gaben 45 der angesprochenen Jugendliche alkoholische Getränke freiwillig ab. 9 Jugendliche mussten ihre Zigaretten vernichten.
30 hilflose betrunkene Personen wurden im Zülpicher Viertel den Sanitätsdiensten übergeben, in der Altstadt war es drei.
+++ Abschlepp-Aktionen
Zum Auftakt des Straßenkarnevals hat der Verkehrsdienst im Kwartier Latäng, im Severinsviertel und in der Altstadt sowie in Ehrenfeld und Nippes vor 11.11 Uhr 100 Verwarnungen erteilt und 30 Fahrzeuge sichergestellt. 23 Kolleg*innen beschäftigten sich am Vormittag ausschließlich mit der Sonderbeschilderung. Der Karnevalsumzug „Jan von Werth“ wurde durch Falschparker aufgehalten. Die Kradstaffel des Verkehrsdienstes konnte die Behinderung auflösen.
Im Vorfeld hatte das Ordnungsamt rund 8.000 Informationsbriefe für Anwohner*innen im Zülpicher Viertel verteilt.
Feuerwehr & Rettungsdienst
Seit heute Morgen sind 631 Einsatzkräfte der Hilfsorganisationen des Malteser Hilfsdienstes (MHD), Johanniter Unfallhilfe (JUH), Deutsche Rote Kreuz (DRK), Arbeiter Samariter Bund (ASB), der Firma Falck Deutschland und Feuerwehr Köln im Einsatz sowie Unterstützungseinheiten aus NRW.
Im Bereich des Breslauer Platzes kam es um 16.10 Uhr zu einem Verkehrsunfall mit einem Karnevalswagen. Bei der ersten Meldung über den Notruf wurden mehrere verletzte Personen auf der Ladefläche gemeldet. Insgesamt vier Rettungswagen und zwei Notärzte alarmierte die Leitstelle der Feuerwehr Köln zum Schadensort. Vor Ort mussten zwei Patienten nach Untersuchung durch den Rettungsdienst mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus transportiert werden. Die Polizei hat die Ermittlung zur Unfallursache aufgenommen.
Der Regelrettungsdienst der Stadt Köln wurde seit heute Morgen zu 345 Einsätzen alarmiert. Die Feuerwehr absolvierte in diesem Zeitraum 28 Feuerwehreinsätze und 17 technische Hilfeleistungen. An den Unfallhilfsstellen sind insgesamt 135 Behandlungen durchgeführt worden, von denen elf Patient*innen dem Notfallversorgungszentrum zugeführt wurden.
Die erste Bilanz der Polizei
Das schlechte Wetter war der beste Helfer der Kölner Polizei: Die erlebte einen der ruhigsten Karnevals-Starts aller Zeiten. Bis zum Abschluss des Weiberfastnach-Eeinsatzes gegen 5 Uhr nahmen Einsatzkräfte 44 Personen in Gewahrsam und erteilten rund 110 Platzverweise. Die Einsatzkräfte waren vor allem bei Streitigkeiten und Schlägereien gefordert.
+++ Körperverletzung
Mit rund 90 bislang erfassten Fällen waren Körperverletzungen im innerstädtischen Karnevalstreiben häufigster Ausgangspunkt für Strafanzeigen. Nachdem zwei Männer gegen 17 Uhr am Hohenzollernring einen am Boden liegenden 25-Jährigen durch Tritte gegen den Kopf schwer verletzt haben sollen, haben Polizisten im Rahmen der Fahndung einen 20-jährigen Tatverdächtigen vorläufig festgenommen.
+++ Sexuelle Belästigung
In jeweils rund einem Dutzend Fälle hat die Polizei nach Widerstandshandlungen sowie Sexualdelikten Ermittlungen aufgenommen. Bei Letzteren handelt es sich überwiegend um Fälle von sexueller Belästigung. Drei Polizisten wurden bei Widerständen leicht verletzt.
+++ Besoffen auf dem E-Scooter
Bei den angekündigten Alkoholkontrollen in der Kölner Innenstadt fielen zahlreiche E-Scooterfahrende auf. 18 von ihnen waren fahruntüchtig. Polizisten ordneten bei allen Blutproben an und stellten 7 Führerscheine sicher. Soweit die elf anderen im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis sein sollten, erwartet die Beschuldigten in der Folge eine Entziehung im Rahmen des Strafverfahrens. Rund 15 weitere alkoholisierte Nutzer von E-Scootern, die mit einem Promillewert im Bereich einer Ordnungswidrigkeit unterwegs waren, müssen mit einer Geldbuße sowie einem Fahrverbot rechnen.
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